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Schuldknechtschaft! : 155 Milliarden jährliche Reichsausgabe ; Reichstagsrede am 6. Juli 1921 / von Helfferich
Entstehung
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- Itz -

wieder ein Viertel der Exportabgabe mit AIs) Millionen Gold,Dann kommen am 15. April wieder die 500 Millionen Gold.Und so wickelt sich das Monat für Monat weiter ab. Injedem Jahre werden wir in acht Monaten diese gewaltigen,Goldzahlungen an das Ausland aufzubriugeu haben, soweitnicht Sachleistungen eintreten, soweit nicht Sachleistungen einenTeil der Goldleistnngen ablösen.

Und da Wolleu wir uns uun einmal ein ungeschminktesBild macheu, wie die Dinge aussehen. In der Öffent-lichkeit begegne ich immer dem Eindruck, die erste Mil-liarde, die wir uach dem Ultimatum für deu 31. Augustdieses Jahres schulden, sei bereits bezahlt. Das steht sogarin dem Commnuique der Garantiekommisswn. Ja, bezahlt istsie durch die Hingabe von Wechsel», die am 31. August d. I.fällig werden. (Zuruf von den Deutschen Demokraten: So sagtjeder Kaufmauu!) Ja, so sagt jeder Kaufmann, und derKaufmauu versteht es richtig. Aber Sie werden mir zugeben,Herr Kollege Petersen: für das große Publikum ist es einMißverständnis! und das; dieses Mißverständnis auch bei vielenLeuten besteht, die kaufmännisch denken können, davon habe ichin den letzten Wochen oft Gelegenheit gehabt, mich zn über-zeugen. In Wirklichkeit ist bisher dieser Betrag, der am 31. Au-gust fällig ist, uur mit Millionen Gold bezahlt. Also vondieser einen Milliarde, die in der Borstellung unseres Publi-kums bezahlt ist, müssen bis zum Verfalltage, dem 31. August,noch 736 Millionen Goldmark beschafft werden. (Hört! Hört!rechts.) Es ist heute von der Unterzeichnung des Ultimatumsau bis zum 31. August uugefähr die Hälfte der Zeit verflossen,und trotzdem siud erst Millionen auf die Milliarde abge-deckt, also uur eiu Viertel. Die übrigeu drei Viertel haben wirin der zweiten Hälfte der Zeit noch aufzubringen.

Nun stand bereits in den Zeitungen zn lesen: wenndiese Milliarde bezahlt sei, würden wir bis znm 1. Mainächsten Iahers nur noch 390 Millionen Goldmark weiteraufzubriugeu haben, das übrige werde dnrch Sachleistungenabgedeckt werden. Die ersten Nachrichten lauteten sehr be-stimmt, die folgenden brachten dann schon die Einschränkung,das verstehe sich uuter der Voraussetzung, daß der Restdurch Sachleistungen gedeckt werde. Nun werden Sie zu-geben, daß es für eiue Regierung nichts Gefährlicheresgibt, als draußen solche Vorstellungen zu erweckeu, die sehrbald iu die Brüche geheu müssen. (Sehr richtig! rechts.) Des-wegen möchte ich gerade in diesem Punkte den Herrn Reichs-finanzminister nm eiue ergänzende Aufklärung bitten. MeineRechnung ist folgende:

Wir haben insgesamt bis zum 1. Mai uäckisten Jahres,dem ersten Reparalionsjahre'', wie die Garantietommission