Druckschrift 
Schuldknechtschaft! : 155 Milliarden jährliche Reichsausgabe ; Reichstagsrede am 6. Juli 1921 / von Helfferich
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen
 

- 15 -

sagt, auszubringen: 2660 Millionen Goldmark. Davon sindbisher in bar gezahlt 2^ Millionen, aber ich will ein-mal annehmen, die erste Milliarde sei bereits voll ge-zahlt oder ihre Zahlung sei sichergestellt; dann würden sichdie 2660 Millionen Goldmark auf 1660 Millionen verringern.Wenn auf diese 1660 Millionen nur noch eine Goldzahlungvon 300 Millionen erforderlich sein soll, dann müßten alsodurch Sachleistnngen abgedeckt werden 1360 Millionen Mark.

Nun frage ich: Wo sind die Sachleistungen, die diesen Be-trag abdecken könnten? Der weitaus wichtigste Posten ist dieKohle. ZweiMill. Tonnen pro Monat sollen geliefert werden,das macht 2^1 Millionen Tonnen im Jahre; und wenn ich einenPreis von 20 Goldmark sür die Tonne, der wohl eher zn hochals zn niedrig gegriffen ist, zugrunde lege, so würde das ansW0 Millionen oder rnnd 500 Millionen Goldmark Hinans-laufen. Diese 300 Millionen will ich abrechnen von den 1360Millionen. Dann bleibt iimner noch ein ungedeckter Fehlbetragvon 860 Millionen. Ich sehe nicht, woher die Deckung fürdiesen Fehlbetrag kouuueu soll.

Die Exportabgabe von England '' winde mir vorhinzngernfen. Das sind die 26 Prozent, die England vonunserer Ansfnhr nach England erhebt. Wir haben nunalle in der Presse gelesen ^ auch in der englischen Pressesteht es, daß seit Einführung dieser Importabgabe derWert der deutschen Einfuhr nach England ganz außer-ordentlich zurückgegangen ist. Wenn nuu aber diese Einfuhr-abgabe in England tatsächlich nahezu eine Milliarde Goldmarkergeben sollte, dann würde das ja heißen, daß nnser ErPortallein nach England dem Betrag von 't Milliarden Goldmarknahekommen müßte bei einem Gesamterport von 3 Milliardenim letzten Jahre! Das ist natürlich nicht möglich. Also hierkann die Abdeckung auch nicht gefunden werden.

Es fragt sich uun, weche andereil Sachleistnngen mög-lich sind. Damit komme ich auf das sehr traurige Kapitelder Sachleistungen. Ich schicke voraus: Man mag znder Frage der Annahme des Ultimatums stehen, wie manwill. Aber nachdem es angenommen ist das bekenneich ausdrücklich, habeu wir alle die Pflicht, und Schul-digkeit zu tun, was wir können, nm zu zeigen, daß 'wirguteu Willen haben. Ich bin von der Unmöglichkeit, dasUltimatum auch nur für irgendwelche längere Zeit zu er-füllen, überzeugt. Aber in bezng anf die Notwendigkeit,den guten Willen zu zeigen, besteht im Hause, glaube ich,keine Meinungsverschiedenheit. Guten Willen können wir nichtzeigen mit Gold, das wir nicht haben. Die Alchemie ist nochnicht soweit vorgeschritten, daß wir unser Papier in Gold ver-