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Schuldknechtschaft! : 155 Milliarden jährliche Reichsausgabe ; Reichstagsrede am 6. Juli 1921 / von Helfferich
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Reich. Ich weih nicht, ob das Reich wieder aus den Gedankender Reichsvermögensbank zurückkommen will, 'Auch das würd?nichts nützen. Wenn das Reich keine solchen Veranstaltungentrifft, würde der Zustand eintreten, das; die Besitzer der Real-werte, daß diejenigen, die in Dentschland nicht nnr produktivesVermögen besitzen, sondern mit diesem produktiven V«N'mögeiiarbeiten, und Güter erzeugen--(Zurufe von den Sozial-demokraten: die andern arbeiten lassen!)Jawohl, arbeitenund arbeiten lassen! Ich weiß nicht, Herr Bernstein, ob Sieden Zwischenruf gemacht haben. Ich hätte Sie für ernsthaftergehalten. (Zurufe von den Sozialdemokraten: Rein, nicht Bern-stein.) Ich denke, die Stunde ist wirklich so ernst, daß Sie mich ich weiß nicht, wer der Herr war mit solchen wirklich ab-gegriffenen Zurnfen verschonen können. Ich komme ans denFaden zurück und sage:

Herr Reichskanzler, in diesem Augenblick, wo eine Besteue-rung Platz greift, wie Sie sie angekündigt haben, wird es inDeutschland , von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, die es ver-stehen werden, durch irgendwelche Maschen Ihres ^tenernetzeshiudnrchschlüpfen, nur uoch Verkäufer unserer Realwerte nndkeine Käufer mehr geben. Die Käufer werden die Ausländersein. Das Ausland wird kommen nnd wird die Realwerteich möchte nicht einmal sagen fnr ein Butterbrot, sondern füreiu Stück trocken Brot uns abkaufen, die Realwerte, die wir aufden Markt werfen müsse», nur die Steuern zu bezahleu, die Sieverlange». Auf diesem Umwege werden Sie durch Ihre Be-steuerung die Vermögenssnbstanz, die Realwerte, die Pro-dnktivmittel des deutschen Volkes in die Hände der Ententeüberführen. (Sehr wahr! rechts.) Daraus werdeu alle dieKonsequeuzeu entstehen, die bei den Beratungen über die An-nahme des Ultimatums auch auf der Linken anerkannt wordensind, und, wie ich annehme, heute uoch anerkannt werden.Meine Damen und Herren! Ich habe manchmal den Eindruckich will nicht verallgemeinern aber aus einzelnenAeußerungen der Linken habe ich doch manchmal deu Eindruck,daß es dort Leute gäbe, die mit einer gewissen Schadenfreudediesem nngehenren Schicksal zusehen würden, (Zurufe undWiderspruch bei den Sozialdemokraten) die sagen würden:jetzt haben wir die Leute, die Besitzer von Realwerten in derZange, und jetzt kommt auf diesem Wege die große soziale,Enteignung. (Lebhafte Zurufe von den Sozialdemokraten.)Meine Damen und Herren! Das erinnert mich an diejenigen,die über den Niederbruch des deutschen Militarismus trium-phiert und dafür jetzt den Ententemilitarismus bekommenhaben! (Lebhafte Zustimmung rechts.) Sie werden mit dieserSteuergesetzgebung den sogenannten Kapitalismus, d. h. dasdeutsche produktive Volksvermöaeu, zerstören. Sie wenden es