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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Der Ausbruch des Weltkrieges

an die russische Regierung die Mitteilung zu richten, daßdem Zustand der drohenden Kriegsgefahr, die noch nichtMobilmachung sei, die Mobilmachung folgen müsse, wennRußland nicht binnen 24 Stunden seine militärischen Maß-nahmen gegen die beiden Mittelmächte einstelle undDeutschland davon in Kenntnis setze. Gleichzeitig erhieltder deutsche Botschafter in Paris die Weisung, an diefranzösische Regierung die binnen 18 Stunden zu beant-wortende Anfrage zu richten, ob sie im Falle eines Kriegesmit Rußland neutral bleiben wolle.

Deutschland sah also noch immer, trotz der unmittel-baren Bedrohung durch die russische Generalmobilmachung,von dem äußersten Schritt ab, auf die Gefahr hin, dadurchkostbare und uneinbringliche Zeit zu verlieren, lediglichum noch einen letzten Spielraum für Anstrengungen zurErhaltung des Friedens zu lassen.

Wenn überhaupt noch eine letzte Möglichkeit bestand,das Verhängnis abzuwenden, so lag sie in den Händen derbritischen Regierung. Deutschland hatte Österreich- ,Ungarn auf den von Sir Edward Grey gewünschten Weggebracht. Sir Edward Grey hielt mit dem Ausdruck seinerGenugtuung über diesen Erfolg nicht zurück. Wie würdeer sich zn der russischen Generalmobilmachung stellen,die diesen Erfolg und jede Aussicht auf die Erhaltung desFriedens brutal zunichte machte?

Die deutsche Regierung konzentrierte alle ihre An-strengungen darauf, das britische Kabinett zu einer Haltung

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