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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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England und die belgische Neutralität

zu bestimmen, die im letzten Augenblick die Katastrophenoch hätte verhindern oder wenigstens einschränkenkönnen, und setzte, um diesem letzten Versuch nochRaum zu geben, gegen das Drängen der verantwortlichenmilitärischen Instanzen beim Kaiser noch einen letztenAufschub durch.

Aber ihre Bemühungen in London schlugen fehl.

Die von der britischen Regierung veröffentlichten Doku-mente enthalten auch nicht die Spur einer Andeutungirgendeines Versuchs der Einwirkung auf Rußland, umeine Aufschiebung der Mobilmachung oder eine befriedi-gende Aufklärung an Deutschland zu erlangen. Sir EdwardGrey beschränkte sich vielmehr darauf, durch den BerlinerBotschafter an die deutsche Regierung die von vornhereinaussichtslose und auch alsbald zurückgewiesene Zumutungzu stellen, Deutschland möge im mobilen Zustand still-halten und weiterverhandeln. Ferner warf Sir EdwardGrey jetzt, am 31. Juli, in der durchsichtigen Absicht,einen für die britische öffentliche Meinung plausibelnKriegsgrund zu gewinnen, die Frage der belgischen Neu-tralität auf.

Der deutsche Botschafter in London stellte zunächst dieGegenfrage, ob im Falle einer Verpflichtung Deutschlandszur Achtung der belgischen Neutralität England sich seiner-seits zur Neutralität verpflichten wolle. Grey antwortetegewunden, aber doch mit dem Schlußergebnis, daß Englandallein auf Grund dieser Bedingung seine Neutralität nicht

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