Druckschrift 
Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
214
Einzelbild herunterladen
 

Der Ausbruch des Weltkrieges

zusagenkönne. Darauf stellteFürstLichnowsky die dringendeFrage, ob Grey nicht die Bedingungen formulieren könne,unter denen England zur Neutralität bereit sei; seinerseitsbot er die Garantie der Integrität Frankreichs und seinerKolonien an. Ja, die deutsche Regierung ging noch weiter:sie erklärte, daß die deutsche Flotte, solange England sichneutral verhalte, die Nordküste Frankreichs nicht an-greifen und im Falle der Gegenseitigkeit keine feindlichenOperationen gegen die französische Handelsschiffahrt vor-nehmen werde. Aber Sir Edward Grey hatte auf alles nurdie Antwort: er müsse endgültig jedes Neutralitätsver-sprechen auf Grund solcher Bedingungen ablehnen undkönne nur sagen, daß England seine Hände frei zu haltenwünsche (englisches Blaubuch Nr. 123).

Deutschland hat also für die Neutralität Englands, dienicht nur die Lokalisierung, sondern wahrscheinlich inletzter Stunde noch die Verhinderung des Krieges bedeutethätte, die Integrität Belgiens und Frankreichs einschließ-lich seiner Kolonien, außerdem den Verzicht auf jedeFlottenaktion gegen die französische Küste und die fran-zösische Handelsschiffahrt angeboten; aber nicht einmalum diesen Preis, und auch nicht um irgendeinen andern,war die britische Neutralität zu haben. Das Wort SirEdward Greys vom 1. August:England will seine Händefrei halten", das so genau mit dem Ausklang der Haidane-Verhandlungen vom Frühjahr 1912 übereinstimmt, hießnichts anderes als: England ist entschlossen, den Krieg

214