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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Die Kanzlerschaft des Herrn Michaelis

auszurotten. Es mußte den Eindruck erwecken, daß dieVolksvertretung und ihre erleuchteten Führer, darunterMänner, denen man so viel Einblick in die Geheimnisseder internationalen Lage zutraute wie dem AbgeordnetenErzberger, das wahre Friedenshindernis in der mangelndenFriedensbereitschaft der deutschen Regierung erblickten;den Eindruck, daß der Reichstag es für zwingend nötiggehalten habe, hier nach dem Rechten zu sehen unddie ungenügende Friedenswilligkeit der Regierung durcheine dieser aufzuzwingende eigené Kundgebung zu er-setzen. Je stärker dieser Eindruck wurde, desto größerwurde die Unzufriedenheit im deutschen Volke, destostärker wurde die Gefahr des Auseinanderbrechens derinneren Front und die Lähmung des Kampfeswillensunserer Truppen.

Wenn irgend etwas, außer dem völligen Versagen derReichstagsresolution in ihrer Wirkung auf unsere Feinde,die Augen hätte öffnen können, dann war es das Schicksalder Stockholmer Sozialistenkonferenz, das sich um diegleiche Zeit erfüllte, in der im Reichstag um die Friedens-resolution gekämpft wurde. Es war ein großer Gedanke,die internationale Macht des Sozialismus ins Feld zu rufen,um der leidenden und blutenden Menschheit den Friedenzu bringen. Wir und unsere Verbündeten haben diesemVersuch trotz mancher Bedenken kein Hindernisin den Weg gelegt. Die demokratischen Regierungen derWestmächte und Amerikas waren es, die ihren Sozialisten

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