Stockholmer Sozialistenkonferenz
die Pässe nach Stockholm verweigerten; die Sozialistendieser Länder waren es, die sich wohl oder übel dieserWeigerung fügten. Für jedermann, der Augen hatte zusehen, erwies sich damit in diesen demokratischen Ländernder sozialistische Friedensgedanke schwächer als dernationale Kriegs- und Siegeswille.
Aber auch aus diesem völligen Versagen der ,, internatio-nalen Solidarität des Proletariats" hat man bei uns nichtsgelernt. Immer eifriger wurde unser Volk in die Suggestionversetzt, das Friedenshindernis sei der Kriegswille der,, Alldeutschen", der ,, Militärpartei", der ,, von den Militärsabhängigen Regierung". Immer weiter fraß der Wahn-sinn um sich: Wenn wir nur unsern Friedenswillen durchHandlungen zeigen, dann werden auch unsere Feinde dieWaffen niederlegen und uns in die Arme fliegen.
Die im Juli 1917 gelegte Saat ist im November 1918fürchterlich aufgegangen.
Die Bildung der Regierung des HerrnMichaelis
Bei der ersten Besprechung mit führenden Reichstags-abgeordneten im Garten des Reichsamts des Innernhatte der neue Kanzler die Bemerkung gemacht, daß er,, bisher als mehr oder weniger unbeteiligter Zeitgenosseneben dem Wagen der Reichspolitik hergelaufen sei".
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