Amtsantritt des Kanzlers Michaelis
engere Fühlung herbeigeführt wird, und bin bereit, soweites möglich ist, ohne den bundesstaatlichen Charakter unddie konstitutionellen Grundlagen des Reiches zu schä-digen, alles zu tun, was dieses Zusammenarbeiten lebens-und wirkungsvoller machen kann. Ich halte es auch fürwünschenswert, daß das Vertrauensverhältnis zwischendem Parlament und der Regierung dadurch enger wird,daẞ Männer in leitende Stellen berufen werden, die nebenihrer persönlichen Eignung für den betreffenden Postenauch das volle Vertrauen der großen Parteien in der Volks-vertretung genießen. Selbstverständlich ist alles das nurunter der Voraussetzung möglich, daß von der anderenSeite anerkannt wird, daß das verfassungsmäßige Rechtder Reichsleitung zur Führung der Politik nicht geschmälertwerden darf. Ich bin nicht willens, mir die Führung ausder Hand nehmen zu lassen."
Trotz des starken Wortes am Schluß war mit dieserErklärung die ,, Parlamentarisierung" der Regierung zu-gesagt. Der Rücktritt fast der Hälfte der preußischenStaatsminister und die Bereitwilligkeit der übrigen, wieder sämtlichen Staatssekretäre des Reiches, auf ihreÄmter zu verzichten, gab Gelegenheit, mit der Parlamen-tarisierung einen Anfang zu machen. Der Gedanke des,, Reichsrats" wurde zunächst nicht weiterverfolgt.
Ich selbst hatte am 14. Juli mein Entlassungs-gesuch eingereicht. Ich hatte es damit begründet, daßder neue Reichskanzler freie Hand brauche; daß ferner
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