Die Kanzlerschaft des Herrn Michaelis
Die Position des Grafen Hertling war nun sehr stark.Er hatte das Zentrum hinter sich, ohne das die ,, Mehrheits-parteien" keine Mehrheit mehr waren; Herrn Erzberger,der die Kandidatur Hertling nicht offen bekämpfenkonnte und der zu den eifrigsten Vertretern der Un-möglichkeit der ,, Trennung der Gewalten" gehörte, warmit der Entschließung des Kaisers und Königs, demGrafen Hertling auch das preußische Ministerpräsidiumzu übertragen, der Wind aus den Segeln genommen.Den anderen Mehrheitsparteien hatte Graf Hertling dieErfüllung ihrer sachlichen Forderungen zugesagt, vorallem die alsbaldige Einbringung der preußischen Wahl-rechtsvorlage, die Milderung der Handhabung des Be-lagerungszustandes in bezug auf Zensur und Beschrän-kungen der Versammlungsfreiheit, die Wiedereinbringungdes vor einigen Jahren gescheiterten Arbeitskammer-gesetzes und die Aufhebung des den Gewerkschaftenanstößigen§ 153 der Gewerbeordnung; dazu in deräußeren Politik die Innehaltung der in der Antwortnotean den Papst festgesetzten Richtlinien.
Am 1. November wurden mir die Allerhöchsten Ordersüber die Verabschiedung des Herrn Michaelis und dieErnennung des Grafen Hertling zum Reichskanzler zurGegenzeichnung vorgelegt. Am gleichen Tage wurde dieErnennung des Grafen Hertling zum Präsidenten desPreußischen Staatsministeriums vollzogen.
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