,, Parlamentarisierung"
Die ,, Parlamentarisierung"
Mit der Ernennung des Grafen Hertling war jedoch dieKrisis nicht zu Ende. Denn nun präsentierten die Mehr-heitsparteien, einschließlich der Nationalliberalen, mitgroßem Nachdruck ihre Forderungen auf ,, Parlamentari-sierung" der Regierungen im Reich und in Preußen,indem sie sich auf Zusicherungen beriefen, die ihnen inden Verhandlungen über die Kandidatur des GrafenHertling, insbesondere in den Besprechungen mit demStaatssekretär von Kühlmann, gemacht worden seien.
Herr von Kühlmann hatte allerdings am 30. Oktoberden Auftrag erhalten, den Führern der Mehrheitsparteiendie in der auswärtigen Politik liegenden Gründe für eineglatte und rasche Erledigung der Kanzlerkrisis undspeziell für die Kanzlerschaft des Grafen Hertling klar-zumachen. Er hatte keinerlei Auftrag, Fragen der innerenPolitik und Fragen der Besetzung von Minister- undStaatssekretärsposten mit den Parteiführern zu besprechen.Es stellte sich heraus, daß Herr von Kühlmann sichgleichwohl in eine solche Erörterung eingelassen hatte,und zwar so weit, daß die Mehrheitsparteien behaup-teten, von ihm bestimmte Zusicherungen empfangen zuhaben. So beriefen sich die Nationalliberalen darauf,daß ihnen die Ernennung des preußischen AbgeordnetenDr. Friedberg zum Vizepräsidenten des Preußischen
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