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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Die Kanzlerschaft des Herrn Michaelis

Staatsministeriums zugesagt worden sei, und die Sozial-demokraten wie die Fortschrittler wollten verstandenhaben, daß der Wunsch, den Abgeordneten von Payer zumVizekanzler ernannt zu sehen, auf keine Schwierigkeitenstoßen werde. Als mir das zu Ohren kam, bat ich erneutden Grafen Hertling, mein Abschiedsgesuch dem Kaiserzu unterbreiten, erhielt aber noch am 31. Oktober abendsvom Grafen Hertling die Antwort, von meinem Rücktrittkönne gar keine Rede sein; in seinen Verhandlungen mitden Parteiführern sei von meiner Person und einemWechsel in dem Posten des Vizekanzlers überhaupt mitkeinem Wort gesprochen worden. Auch der Kaiser lieẞmich wissen, daß er fest auf mein Verbleiben in meinemAmt als Stellvertreter des Reichskanzlers rechne und nurin dieser Voraussetzung sich mit der Kombination Hertlingeinverstanden erklärt habe.

In den folgenden Tagen beauftragte mich der nun zumReichskanzler ernannte Graf Hertling mit der Leitungder Besprechungen über die östlichen Kriegsziele, die fürden 2. und 3. November angesetzt waren und an denenaußer den Chefs der sämtlichen Reichsämter undpreußischen Ministerien auch der Generalfeldmarschallvon Hindenburg und General Ludendorff teilnahmen.Die Besprechungen waren um so wichtiger, als für den5. November Graf Czernin seinen Besuch angesagt hatte,um in erneute Verhandlungen über die polnische Frage,und zwar im Sinne der Angliederung Polens an die

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