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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Der Ost- Friede

deutsche Öffentlichkeit über diesen unmöglichen Zustandhinweg; ja ich habe aus den Kreisen unserer Volksvertretermitunter die lobende Feststellung gehört, daß unter demGrafen Hertling die unter Herrn von Bethmann nieaufhörenden ärgerlichen Reibereien mit der OberstenHeeresleitung glücklicherweise ein Ende gefunden hätten,und daß jetzt eine erfreuliche Harmonie zwischen den dreigroßen politischen Faktoren, Reichsleitung, Reichstag undOberster Heeresleitung bestehe! Diese ,, Harmonie" bestandnur auf der Oberfläche, und auch da nur um einen allzuhohen Preis.

Ich kam im Großen Hauptquartier mit Hindenburg undLudendorff zu einer nach meiner Ansicht sowohl fürBulgarien, wie für die Türkei und auch für uns erträglichenEinigung. Aber der Mangel an Einheitlichkeit in unsererPolitik hatte bei den Bulgaren und bei den Türken Hoff-nungen geweckt, die miteinander schlechthin unausgleich-bar waren; und in dem wochenlangen Hin- und Herzerrenhatten sich beide Teile so sehr auf ihre Forderungen fest-gerannt, daß der Vermittlungsversuch jetzt auf beidenSeiten eine starke Unnachgiebigkeit fand. Zwar konnteunser Gesandter in Sofia berichten, daß die Darlegungendes Herrn Tontschew über seine Berliner Verhandlungenim bulgarischen Ministerrat eine gewisse Entspannung derLage herbeigeführt hätten; aber in Rücksicht auf dieerregte öffentliche Meinung lehnten schließlich Herr Rado-slawow und sein Kabinett in der mit den Türken streitigen

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