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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Der Ost- Friede

als es bisher geschehen war, deren wahres Gesicht zeigte.Die Bestimmungen des Friedensvertrags über das Gou-vernement Cholm veranlaßten das polnische, Ministeriumzur Demission und den polnischen Regentschaftsrat zueinem Manifest an das polnische Volk, das in heftigenWorten gegen die ,, neue Teilung" protestierte und ver-kündete, daß der Regentschaftsrat das Recht zur Ausübungder obersten Staatsgewalt, das er wenige Monate zuvoraus den Händen der beiden Kaiser entgegengenommenhatte, aus dem Willen des Volkes herleite in der Über-zeugung, daß das polnische Volk ein Symbol der Unab-hängigkeit haben wolle und sich um dieses zu scharenbeabsichtige. Schon kurz zuvor, am 22. Januar, hatteder Polenklub im österreichischen Abgeordnetenhaus eineResolution eingebracht, die erklärte, daß sich das Selbst-bestimmungsrecht der Polen auf alle Polen ohne Rücksichtauf die politischen Grenzen beziehen müsse und daß dieeinzig mögliche Lösung der polnischen Frage die Ver-einigung aller polnischen Gebiete mit Zutritt zum Meeresei. Jetzt, nach dem Abschluß des Friedens mit derUkraine, erklärte das Präsidium des Polenklubs, daß derganze Polenklub sich genötigt sehe, im Reichsrat undin der österreichischen Delegation zur Opposition über-zugehen. Auch eine nachträgliche für Polen günstigeModifikation der das Cholmer Gebiet betreffenden Bestim-mung des Friedensvertrags brachte keine Beschwichtigungder kochenden polnischen Volksseele. Dieses edle Volk,

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