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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Die Entscheidung

entsenden, um jedes etwa mögliche Mißverständnis zu be-seitigen. Nachdem jedoch Herr Radek auf der Fahrtnach Berlin in Orscha mit Herrn Joffe zusammengetroffenwar, der mit den paraphierten Zusatzverträgen in derTasche seine Besorgnisse ohne weiteres zerstreuen konnte,brauchte sich Herr Radek nicht weiter zu bemühen undkonnte mit Herrn Joffe nach Moskau zurückreisen. MeinEinspruch gegen die Paraphierung, ehe ich Gelegenheitgehabt hätte, meinen Standpunkt zu vertreten, war ver-geblich gewesen. Die Verträge waren in der Tat am Abenddes 10. August paraphiert worden.

Meine Unterhaltung mit Herrn von Hintze am nächstenNachmittag war gleichfalls ergebnislos. Der Staats-sekretär blieb auf seinem Standpunkt, daß die Zusatz-verträge unter allen Umständen zustandekommen unddaß wir uns mit den Bolschewiki verhalten müßten.Dieses ,, Verhalten mit den Bolschewiki" ging so weit,daß das Auswärtige Amt Berichte deutscher Korrespon-denten über die Zustände in Rußland und über das wahreGesicht des Bolschewismus unterdrückte.

Ebensowenig gelang es mir, im Großen Hauptquartiermeinen Standpunkt durchzusetzen, obwohl der GeneralLudendorff erklärte, er nehme an dem Zustandekommender Zusatzverträge und insbesondere auch an der Abtren-nung Estlands und Livlands nach der Entwicklung der Ge-samtlage kein Interesse mehr. Der Kanzler behielt sichformell seine Entscheidung vor bis zu seiner für den 26.August

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