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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Die Entscheidung

hatten, war auf das schwerste erschüttert und drohtezusammenzubrechen. Dazu kam der Abfall Bulgariens,der den Zusammenbruch der Türkei beschleunigen mußte,und die zweifelhafte Haltung Österreich- Ungarns.

Die Heeresleitung stand vor den schwersten Entschlüssen.Sie stand gleichzeitig vor der Frage, ob die Fortsetzungeines nicht mehr zu gewinnenden Krieges noch zu ver-antworten sei und ob die Lage nicht dazu zwinge, diesofortige Herbeiführung des Friedens selbst unter großenOpfern zu versuchen.

Die ersten Hinweise der Obersten Heeresleitung aufdie Notwendigkeit politischen Handelns zur Herbeiführungdes Friedens gehen, wie ich oben dargestellt habe, aufden Monat Juni 1918 zurück. Sie hatten leider nur dieWirkung gehabt, daß Herr von Kühlmann von der Tribünedes Reichstags herab erklärte, der Krieg könne reinmilitärisch nicht zu Ende gebracht werden. Zum zweiten-mal hatte die Oberste Heeresleitung bei den Besprechungenim Großen Hauptquartier Mitte August auf den Ernst dermilitärischen Lage hingewiesen und die Aussichtslosigkeiteiner rein militärischen Beendigung des Krieges betont. Esist mir nicht bekannt, was darauf unsere politische Leitungzur Herbeiführung eines Friedens getan hat, der allerdingsauch damals schon, wie überhaupt während des ganzenKrieges, nur um den Preis empfindlicher Zugeständnisseunsererseits, namentlich in der elsaẞ- lothringischen Frage,zu haben gewesen wäre. Auch für den Nahestehenden trat

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