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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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1. Kapitel. Die Entstehung des Geldes. § 4.

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Gold und Silber begegnet uns als Tauschmittel in der frühestenunsern Forschungen zugänglichen Zeit bei den Assyriern, Babyloniernund Ägyptern. Für Griechenland bezeichnet Plutabch das Eisen als dasfrüheste allgemeine Tauschmittel, und in dem konservativen Sparta hatsich das Eisengeld noch bis in spätere Perioden hinein erhalten. InItalien hat von allen Metallen am frühesten das Kupfer Gelddiensteversehen. Zinngeld finden wir namentlich bei den Malayen, derenLand sich durch einen grofsen Beichtum an diesem Metall auszeichnet.

Überall jedoch haben mit fortschreitender Kultur die Edelmetalleden Vorrang geAvonnen und immer ausschliefslicher die Funktionendes Geldes in sich verkörpert. Neben ihnen sind unedle Metalle,namentlich Kupfer, nur in geringem Umfang zur Ergänzung des Geld-systems durch kleine Stücke beibehalten worden; alle übrigen Waren,die ursprünglich Gelddienste versahen, haben diese Stellung gänzlichverloren.

Man hat oft diese Entwicklung als etwas Wunderbares und Uner-klärliches angesehen und einen inneren Widerspruch darin gefunden,clafs gerade die Edelmetalle, die keinem dringenden Bedürfnis,sondern nur dem Schmuckbedürfnis und der Eitelkeit dienen, zu derhervorragenden und beherrschenden Stellung im wirtschaftlichen Ver-kehr gekommen sind, die das Geld einnimmt, und dafs Jedermannbereit ist, die an sich entbehrlichen Edelmetalle im Austausch für dieallernotwendigsten Bedarfsgüter anzunehmen.

Aber dieser Widerspruch ist nur ein scheinbarer. Wie ein ge-naueres Eindringen zeigt, verdanken es die Edelmetalle gerade ihrerrelativen Entbehrlichkeit, verbunden mit ihrer Schönheit, ihrer Selten-heit und anderen Eigenschaften, dafs sie zum Geld der Kulturweltgeworden sind.

Ihre Schönheit und Form barkeit lassen sie als Kohstolf für Schmuck -gegenstände und für Geräte aller Art ganz unabhängig vom Urteilüber ihreNützlichkeit" allgemein begehrt erscheinen. Obwohlnirgends ein zwingendes Bedürfnis nach Edelmetallen besteht, wie etwanach Nahrung und Kleidung, so ist doch die Nachfrage nach Gold undund Silber zu Luxuszwecken viel weniger begrenzt, wie die Nachfragenach den für die Erhaltung des Lebens notwendigsten Gütern. An Nah-rung mehr aufzuhäufen, als man in absehbarer Zeit zur Sättigung bedarf,daran hat Niemand ein Interesse. Für die Aufhäufung von Schmuck-und Prunkstücken dagegen giebt es keine Schranken. Der menschlicheMagen hat eine begrenzte Aufnahmefähigkeit, das Schmuckbedürfnis,die Eitelkeit und die Prunksucht dagegen kennen keine Sättigungs-grenze. Derjenige, welcher Überflufs an den notwendigsten Bedarfs-gütern hatte, war deshalb stets geneigt, dafür edle Metalle, verarbeitet

oder unverarbeitet einzutauschen, deren Besitz der Eitelkeit schmeichelt

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