18 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.
zwischen ihnen bestehenden herkömmlichen Wertverhältnisse in ihremVerhältnis zu einander nicht lediglich auf eine quantitative Beziehung-reduziert, es bestehen vielmehr zwischen ihnen noch gewisse qualita-tive Unterschiede, die sie noch nicht in einem Geldsystem untergehenlassen. Der jeder specifischen Qualität entbehrende Geldcharakter istbei diesem Kreis von Tauschmitteln noch nicht ausgebildet.
Nicht als Geld angesehen werden dürfen bestimmte Güter, derenBesitz zwar Macht und Ansehen verleiht, die aber im allgemeinennicht als Tauschmittel dienen, sondern sich oft geradezu durch ihreUnveräufserlichkeit auszeichnen, die aber wegen ihrer Ähnlichkeit mitbestimmten Formen des Geldes mitunter gleichfalls als Geld angesehenworden sind. Hierher gehören z. B. die „feinen Matten" auf Samoa. Vondiesen hat jede ihre mehr oder minder sagenhafte Geschichte, und nachder Bedeutung derselben richtet sich ihre Wertschätzung und das An- •sehen, das ihr Besitz verleiht. Sie sind ein wertvolles Besitztum dersamoanischen Familienverbände, aber sie fungieren nicht als Tausch-mittel. Sie wurden vielmehr bei jeder neuen Königswahl unter be-stimmten, meist zu blutigen Fehden führenden Ceremonien neu verteiltund blieben dann bis zur nächsten Königswahl im Besitz einesund desselben Familien Verbandes. Wie wenig sie als Geld, als Ver-kehrsinstrument in irgend welchem Sinne aufgefafst werden können,zeigt ein in den Akten des Gouvernements von Samoa befindlichesSchreiben des „hohen Häuptlings" Mataafa, in welchem der Gouverneurgebeten wird, die Matten als unpfändbar zu erklären, da sie heiligseien und für den Samoaner denselben Wert hätten, Avie Orden undEhrentitel für die Deutschen. — Auch das sogenannte Steingeld vonYap, das schon wegen seiner Schwere durchaus ungeeignet ist, Geld-funktionen zu verrichten, wechselt — wenigstens in seinen gröfserenStücken — nur in den seltensten Fällen seinen Besitzer; die Bestim-mung der gröfseren Stücke liegt oifenbar weniger in der Verkehrs-vermittlung als darin, dafs ihr Besitz, ähnlich wie auf Samoa derBesitz von feinen Matten, grofses Ansehen verleiht.
§ 4. Die Edelmetalle als allgemeines Tauschmittel.
Wie bereits erwähnt, finden sich unter den als Tauschmittel dienen-den Gütern fast überall frühzeitig Metalle, namentlich die EdelmetalleGold und Silber, neben ihnen vor allem Kupfer und Bronze, Eisen,vielfach auch Zinn. Das Schmuckbedürfnis, dem hauptsächlich dieEdelmetalle dienen, ist ebenso früh und allgemein entwickelt, wieanderseits das Bedürfnis nach Waffen und Werkzeugen, welchem dieunedlen Metalle genügen; die daraus hervorgehende allgemeine Be-gehrtheit hat die Metalle als besonders geeignet zum Tauschmittelerscheinen lassen.