Druckschrift 
Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

1. Kapitel. Die Entstehung; des Geldes. § 3.

17

verleiht vielfach bei halbwilden Völkern Gegenständen, die an und für sichwertlos sind, ein geheimnisvolles Ansehen. So leitet das merkwürdigeScherbengeld der Palau-Inseln seinen Wert von seinem hohen Alterund seinem angeblich himmlischen Ursprung ab. Das Steingeld derInsel Yap , mühlsteinartige Aragonitplatten von verschiedener Gröfse,wird unter grofsen Gefahren von den Palau-Inseln eingeholt. DieBewohner des Bismarckarchipels pflegten ihr Muschelgeld zu ganzbestimmten Zeiten aus bestimmten Bezirken der Nordküste von Neu-pommern zu beschaffen.

Wenn nun die als Tauschmittel dienenden Güter eine Auswahlaus dem ganzen Kreis der Tauschobjekte darstellten, so standen auchsie naturgemäfs unter der Herrschaft der herkömmlichen Wertverhält-nisse, welche sich über die Gesamtheit der Tauschgüter erstreckten.Die traditionellen Wertverhältnisse schufen hier aus den verschieden-artigsten Gütern, aus Sklaven, Rindern, Schafen, Edelmetallringen und-spangen, Muscheln, Fellen, Salz u. s. w., gewissermafsen ein einheit-liches Geldsystem. Aber diese primitiven Geldsysteme dürfen nichtunter einem unsern heutigen Geldsystemen entlehnten Gesichtspunktbetrachtet werden: die Grenze zwischen Tauschmittel und Tauschgutwar vollkommen flüssig, das Geld stand den Waren noch nicht gegen-über wie eine in sich geschlossene Einheit der Vielheit; ferner ent-sprach den festen Wertverhältnissen zwischen den einzelnen als Tausch-mittel dienenden Gütern durchaus nicht immer die Vertretbarkeit,durch welche die einzelnen Geldarten erst zu einem Geldsystem ver-einigt werden. Wir begegnen vielmehr einer gewissen Rangordnungder einzelnen Geldarten, vermöge deren kostbare Güter nur durchentsprechend kostbare Tauschmittel eingetauscht werden können,während anderseits kostbare Tauschmittel nur zum Eintausch ent-sprechend wertvoller Waren, nicht aber zum Ankauf grofser Mengengeringwertiger Gegenstände verwendet werden dürfen. So konnte manin Afrika vielfach Sklaven nicht mit geringwertigen Tauschmittelnkaufen, sondern nur mit bestimmten kostbaren Gegenständen, wieElfenbein oder Gewehren und Schiefspulver. In Angola kann Elfenbeinnur gegen Schiefspulver und Gewehre eingehandelt werden. InBetschuanaland soll Rindvieh nicht gegen den sonst als Tauschmittelgebräuchlichen Tabak, sondern nur gegen Eisen und Zeuge käuflich.sein. Ebenso soll in gewissen Teilen Westafrikas Gold nicht für Glas-waren, Tabak u. s. w. erhältlich sein, sondern nur für Kleiderstoffe, Salzoder Bernstein. Auch für den Kauf von Frauen sind stellenweise nurganz bestimmte Tauschmittel zulässig. 1 )

Die einzelnen Arten der Tauschmittel sind hier also trotz der

1) Siehe S chubtz a. a. 0. S. SO; S immel a. a. 0. S. 270.Helffhkich , Das Geld.

2