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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
16
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16 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

Überlieferungen in den Anfangsstadien der Verkehrswirtschaft bei deneinzelnen Völkern als Geld fungiert haben, oder welche heute nochbei halbwilden Völkerschaften Gelddienste versehen, dann erhalten wireine bunte Auswahl der verschiedenartigsten Gegenstände. Die be-sonderen wirtschaftlichen Verhältnisse der einzelnen Stämme undVölker, das Vorwiegen der Jagd, der Viehzucht, des Ackerbaus, derReichtum an bestimmten Metallen, die Berührung mit andern Völkernund Stämmen auf dem "Wege des Handels üben ihren Einflufs auf dieVerwendung bestimmter Güter zu Geldzwecken aus. Dazu kommen.Satzungen der weltlichen und geistlichen Obrigkeit, durch welche dieLeistung von Abgaben und die Entrichtung von Vermögensbufsen inbestimmten Gütern vorgeschrieben wird. Auch mystische und religiöseVorstellungen aller Art sind häufig mit im Spiel und erzeugen mit-unter absonderliche Bildungen auf dem Gebiet des primitiven Geld-wesens. Bei Jägervölkern kommen als Tauschmittel vor allem Waffenin Betracht, bei Hirtenvölkern das Vieh, bei Stämmen, die mit fremdenKaufleuteu Handel treiben, die ein- und auszutauschenden Waren. Un-mittelbar dem Konsum dienende Waren, wie Getreide, Reis, Thee,Kakaobohnen, Tabak, getrocknete Fische, Salz und ähnliche mehr, er-füllen aus den bereits angedeuteten Gründen meist erst in vorge-schrittenen Stadien der wirtschaftlichen Entwicklung die Funktionenvon Tauschmitteln. Die Produkte selbst schon setzen einen regelrechtenWirtschaftsbetrieb voraus, und ihre Verwendung als Geld ist häufigin Fällen eingetreten, wo der Gebrauch von Metallgeld bereits bekanntwar, die metallischen Umlaufsmittel selbst aber fehlten und durchProdukte der erwähnten Art ersetzt werden sollten, so z. B. noch amEnde des 18. Jahrhunderts in manchen Gebieten der Vereinigten.Staaten von Nordamerika .

Neben den genannten Gütern hat sich eine Gruppe von Warenallenthalben frühzeitig zum Tauschmittel herausgebildet: diejenigenGegenstände, welche als Schmuck Verwendung finden können, so kost-bare Steine, Schmuckgegenstände aus Bronze und Edelmetall; auch dieKaurimuscheln sind wahrscheinlich durch ihre Verwendung zu Schmuck-zwecken zu ihrer Funktion als Geld hindurchgegangen. Weitaus amwichtigsten von allen Stoßen, die zur Herstellung von Schmuckgegen-ständen dienten, sind für die Entwicklung des Geldes die EdelmetalleGold und Silber geworden; sie haben im Lauf der Zeit mehr und mehrdie übrigen Güter aus der Eolle als Tauschmittel verdrängt.

Zu merkwürdigen Bildungen hat bei gewissen halbwilden Völkerndie Verbindung mystischer Vorstellungen mit dem Gelde geführt. Selt-samkeit des Ursprunges, hohes Alter, Einholung des Geldes aus ent-fernten Gebieten und unter bestimmten Ceremonien, irgendwelche Ver-bindungen mit dem Totenkultus und dem Geisterglauben, das alles