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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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1. Kapitel. Die Entstehung- des Geldes. § 3.

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Das Geld mufste sich also aus den Eigentum darstellenden und inherkömmlichen Austauschverhältnissen stehenden Gütern erst entwickeln.Wir müssen uns diese Entwicklung so vorstellen, dafs zuerst Güter,welche dem Gebrauch dienten, gelegentlich und nebenbei auch alsTauschmittel verwendet wurden. In Betracht kamen dafür wohl überallanfänglich nur solche Dinge, die nicht dem unmittelbaren Verbrauchdienen, sondern dem längeren Gebrauch. Der Wilde und Halbwildezeichnet sich aus durch mangelhafte Vorsorge für die Zukunft. Istihm das Glück günstig, hat er eine gute Kriegsbeute oder Jagdbeuteoder einen reichen Fischzug gemacht, dann lebt er in Saus undBraus, solange die erworbenen und erkämpften Vorräte reichen; dannleidet er wieder Mangel. Erlegtes Wild, Fische and Früchte werdenso rasch wie möglich verzehrt. Dagegen können sich Schmuckgegen-stände jeder Art, wie Ringe und Spangen aus Gold oder Bronze, Perlenund Muscheln, Waffen und kostbare Geräte, Sklaven und Sklavinnen,Viehherden u. s. w., im Besitz des Einzelnen in grofsen Massen an-sammeln. Jedermann wird solche Dinge im gegebenen Falle gerneeintauschen, zunächst in der Absicht, sie zu behalten und für sich zugebrauchen; im Notfall jedoch, oder wenn ihn etAvas Anderes mehrlockt, wird er sich entschliefsen, diese Dinge im Austausch gegen anderewieder fortzugeben. So tragen die indischen Frauen bis in unsere Zeithinein ihren ganzen Geldbesitz in Form von Silberschmuck am eigenenLeib, d. h. das Silber dient ihnen als Schmuck, solange sie nicht ge-nötigt sind, es als Geld zu verwenden.

Je mehr dann in der weiteren Entwicklung der Tausch den Zu-stand der Eigenproduktion durchsetzte und dadurch zu einer Verfeine-rung der Arbeitsteilung führte, desto mehr mufsten die Schwierigkeiten,welche auch schon unter den einfachsten Verhältnissen dem direktenAustausch entgegenstehen, zur planmäfsigen Benutzung gewisser Güterals Tauschmittel führen. Je mehr sich der Kreis der tauschbarenGüter erweitert, desto seltener wird der Fall, dafs sich zwei Leutebegegnen, von denen jeder gerade das überflüssig hat, was der anderebegehrt, und von denen jeder gerade die Menge überflüssig hat, welcheder andere als Gegenwert für seine Ware verlangt. Die wachsendeSchwierigkeit des direkten Austauschs mufste dazu führen, dafs mandas Ziel auf Umwegen zu erreichen suchte. Die Schwierigkeit warnur zu überwinden, wenn diejenigen, welche bestimmte Waren über-flüssig hatten, gegen diese zunächst solche Waren eintauschten, vondenen sie erwarten durften, dafs sie für dieselben jederzeit die von ihnenwirklich benötigten Dinge erhalten könnten. Die früher nur gelegent-lich zum Austausch verwendeten Güter wurden mehr und mehr plan-mäfsig für den Zweck des Austauschs angesammelt.

Wenn wir diejenigen Dinge betrachten, welche nach historischen