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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
14
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14 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

In Darfour in Centraiafrika soll heute noch folgende Wertskalabestehen, deren Grundlage der männliche Sklave von bestimmternormaler Gröfse ist. Ein solcher Sklave gilt gleich 30 Stücken Baum-wollgewebe von bestimmter Länge, gleich 6 Ochsen, gleich 10 spanischenDollars von bestimmtem Gepräge. Das System wird ergänzt durchZinnringe, Perlensclmiire u. s. w.

Wie sich diese .Wertverhältnisse gebildet haben, welche Rolledabei die Vorschriften über die Leistungen an die Priester und dieHäuptlinge gespielt haben, ist nicht festzustellen. Dagegen erscheintes sehr begreiflich, dafs solche festen Wertverhältnisse entstandensind. Je lebhafter und feiner der Handel entwickelt ist. um soempfindlicher ist das Bewertungsverhältnis der einzelnen Güter; jeschwächer und primitiver der ganze Verkehr, desto schwerfälliger istdie Preisbewegung. Wir brauchen nur die Preisentwicklung an derBörse, dem feinsten Organ des modernen Handels, zu vergleichen mitderjenigen in entlegenen und verkehrsarmen Provinzen, wo es heutenoch herkömmliche Preise und herkömmliche Löhne giebt, von denenman nur ungern und gezwungen abweicht. Hier herrscht das Herkommenals allgemeine Norm, dort die individuelle Abwägung in jedem Einzelfall.

Es ist wahrscheinlich, dafs diese herkömmlichen Wertverhältnissealle Güter umfafsten, die überhaupt veräufserliches Eigentum waren.Die feste gegenseitige Bewertung der Güter ist eine wesentliche Er-leichterung des Tausclis, weil sie die schwierige Aufgabe der Wert-bemessung für die einzelnen Tauschakte überflüssig macht. Ja es istmöglich, dafs der Tausch in gröfserem Umfang überhaupt nur durchdie Festlegung der Tauschverhältnisse durch die obrigkeitliche oderpriesterliche Gewalt ermöglicht wurde, da nur durch solche Normendie Schwierigkeit überwunden werden konnte, die in dem Mangel einesjeden greifbaren Anhaltspunktes für die Wertgleichsetzung verschieden-artige]' Güter bestand. Weit über die primitiven Zeiten hinaus, vondenen hier die Rede ist, war für den Handel eine objektive Norm derTauschverhältnisse und Preise ein Bedürfnis, dem Preistaxen und ähn-liche Einrichtungen entsprachen.

Man hat nun in den durch traditionelle Wert Verhältnisse ver-bundenen Gütern die erste Erscheinungsform des Geldes sehen wollen(Ridgeway und Lötz ). Aber diese Annahme ist mindestens solangenicht zutreffend, als die Wertskala sämtliche überhaupt tauschbarenGüter umfafst; solange das der Fall ist, haben sich das Geld und dieübrigen Güter noch nicht differenziert; es fehlt noch das wesentlicheMerkmal, dafs einzelne Güter aus dem ganzen Kreis der tauschbarenObjekte vorzugsweise dazu verwendet werden, den Austausch der andernzu vermitteln, dafs sie eingetauscht werden nicht um ihrer selbst willen,sondern um gegen andere Waren wieder ausgetauscht zu werden.