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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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1. Kapitel. Die Entstehung- des Geldes. § 3.

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Wie sich aus dem Vorstellungskreis des Naturmenschen herausder komplizierte Vorgang des Gleichsetzens von Werten gebildet undimmer feiner entwickelt hat, davon ist auf Grund verhältnismäfsigspärlicher Anhaltspunkte wenigstens in ganz groben Zügen eine An-schauung möglich. Wenn uns berichtet wird, dafs die Eingeborenendes Bismarckarchipels im Tauschhandel schnurweise aufgereihte Kauri-muscheln, die sie Dewarra nennen, nach ihrer Länge verwenden, in derWeise, dafs sie für Fische dieselbe Länge in Dewarra geben, wie dieFische selbst lang sind; wenn man auch in anderen Gebieten der Er-scheinung begegnet, dafs das gleiche Mafs zweier Dinge als wertgleichgilt, ein Mafs Getreide z. B. als wertgleich mit demselben Mafs vonKaurimuscheln'), so haben wir. hiermit offenbar die primitivsteStufe der Wertgleichsetzung, eine Stufe, auf der die Wertgleichheitnoch durch die quantitative Gleichheit gegeben erscheint, und dergegenübereine Wertvergleichung, die nicht auf quantitative Kongruenzhinausläuft, einen höheren geistigen Prozefs darstellt".

Was nun diese sich über die blofsen Quantitätsvorstellungen er-hebende Wertvergleichung anlangt, so ist es auf Grund neuererForschungen, namentlich von R idgeway 2 ), überaus wahrscheinlich, dafssich auf primitiver Kulturstufe zwischen allen Gegenständen, welchefreies Eigentum und mithin tauschbar geworden waren, konventio-nelle Wertverhältnisse ausgebildet haben, die als Normen fürden Tauschverkehr galten, und die offenbar nur ganz langsamen Ver-einbarungen unterlagen. Beobachtungen, die bei jetzt noch halbwildenVölkerschaften gemacht worden sind, bestätigen diese Annahme. Sogalt im alten Griechenland und in Irland ein männlicher Sklave gleichdrei Kühen, und so bestehen heute noch bei zahlreichen halbwildenVölkerschaften Afrikas und der Südsee interessante Wertskalen, dieaus den wichtigsten Tauschgütern bestehen. R idgeway und S churtzgeben eine ganze Anzahl von Beispielen. Letzterer giebt z. B. nachM ollien (Reise nach dem Innern von Afrika ) für Bondu im westlichenSudan folgende Werttabelle:

1 Sklave = 1 Doppelflinte und 2 Flaschen Pulver= 5 Ochsen= 100 Stück Zeug:

1 Schnur Glasperlen = 1 Kürbisflasche voll Wässer

= 1 Mafs Milch= 1 Arm voll Heu;

2 Schnüre Glasperlen = 1 Mais Hirse.

1) Vergl. Semmel a. a. 0. S.104; Sciiubtz , Grundrifs einör Entstehungsgeschichtedes Geldes. 1898. S. 80 und die dort citierten Publikationen.

2) Siehe Ridgf.way . The origin of metallic currency. 1892.