1. Kapitel. Die Entstehung des Geldes. § 4.
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Stücke keinen Wertverlust mit sich bringt. Nur diese Eigenschaftermöglicht es, fast ohne Einschränkung beliebig grofse Werte darzu-stellen, im Gegensatz zu Gütern, die ihrer Natur nach unteilbar sind,wie etwa ein Sklave, oder bei denen die Teilung eine grofse Wert-verringerung involviert, wie bei Diamanten, bei denen es bisher nurgelungen ist, aus einem grofsen mehrere kleine zu machen, nicht aberaus mehreren kleinen einen grofsen. Eine besondere Folge der Form-barkeit der Edelmetalle ist ihre Eignung zur Ann ahme eines Gepräges,durch das von autoritativer Seite Feinheit und Gewicht der einzelnenStücke beglaubigt werden kann. Die grofse Wichtigkeit dieser Eigen-schaft soll später erörtert werden.
Aufserdem kommt in Betracht die relative Seltenheit und diedaraus resultierende Kostbarkeit der Edelmetalle, ihr speciflscher Wertist ein hoher, da der vorhandene Bestand gegenüber der allgemeinenBegehrtheit ein beschränkter ist und durch die Neugewinnung nur inlangsamem Tempo vermehrt werden kann. Anderseits ist doch dervorhandene Bestand grofs genug, um den Edelmetallen in ausreichen-dem Umfang die Funktion als Geld zu ermöglichen, infolge des hohenWertes in geringem Gewicht und Volumen stellen sich bei den Edel-metallen die Kosten der Aufbewahrung und des Transports ganz be-trächtlich niedriger als bei den meisten andern Waren, und dadurchwird sowohl ihre Annahme als auch ihre Verausgabung im Tausch-verkehr, sowohl ihre Erhaltung in ruhendem Zustande als auch ihre Be-wegung ganz aufserordentlich erleichtert.
Als eine ganz besonders wichtige Qualität kommt schliefslich nochhinzu die relative Wertbeständigkeit der Edelmetalle, die sich ihrer-seits aus einigen der bisher aufgezählten Eigenschaften ergiebt.
Diese Wertbeständigkeit steht zunächst in einem doppelten Zu-sammenhang mit der substantiellen Widerstandsfähigkeit der Edel-metalle gegen chemische und physikalische Einwirkungen. Durch dieseWiderstandsfähigkeit sind einmal alle diejenigen Wertveränderungenausgeschlossen, die sich bei anderen Gütern aus der unvermeidlichenVeränderung der Substanz selbst ergeben. Zweitens sammeln sichinfolge der Dauerhaftigkeit der Edelmetalle die Ergebnisse der Edel-metallgewinnung zu Massen an, denen gegenüber die jährliche Neu-produktion selbst unter den günstigsten Verhältnissen nur einen kleinenBruchteil ausmacht. Je rascherem Verderben oder Verzehr ein Gutausgesetzt ist, desto gröfser ist im allgemeinen das Verhältnis der je-weiligen Neuproduktion zum vorhandenen Bestand, desto stärker istdie Einwirkung der Schwankungen der Neuproduktion auf den Preis.Während z. B. beim Getreide der jeweilige Ernteertrag den noch vor-handenen Vorrat aus früheren Ernten meist beträchtlich übersteigt,mithin das Jahr für Jahr verfügbare Getreidequantum und damit