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Erstes Bucli. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.
auch der Getreidepreis in erster Reihe von den Schwankungen desErnteausfalls abhängt, hat selbst die ungewöhnlich grofse Goldproduktionder letzten Jahre (1000—1300 Millionen Mark) jährlich nur etwa5 Prozent des auf 20—23 Milliarden Mark zu schätzenden monetärenGoldbestandes der Welt betragen und vielleicht nur halb soviel imVerhältnis zu dem gesamten aus Geld und Gold waren bestehenden Gold-vorrat. Die Dauerhaftigkeit der Edelmetalle giebt also der verfüg-baren Menge eine aufserordentlich grofse Beständigkeit gegenüber denSchwankungen der Neuproduktion. Nur eine sich auf lange Zeiträumeerstreckende ungewöhnlich hohe oder niedrige Edelmetallproduktionkann mithin einen merkbaren Einflufs auf die Wertgestaltung der Me-talle ausüben.
Diese. bedeutsame Wirkung der Dauerhaftigkeit der Edelmetallewird verstärkt durch gewisse Folgen, die sich aus dem Luxuscharaktervon Gold und Silber ergeben. Es ist eine bekannte Thatsache, dafsdie Preisschwankungen am heftigsten sind bei den unentbehrlichstenBedarfsgütern, und dafs sie umsomehr abnehmen, je entbehrlicher einGut ist. Bei Luxusartikeln genügt eine geringere Preisverminderung,als bei den unentbehrlichen Dingen, um das gestörte Verhältnis vonAngebot und Nachfrage wieder in Übereinstimmung zu bringen. Weilder Bedarf an Brot keine wesentliche Einschränkung verträgt, weil.Tedermann lieber auf alles Andere verzichten als verhungern will, deshalbsind hier ganz andere Preiserhöhungen notwendig, um den auf Grunddes verfügbaren Vorrates nicht zu befriedigenden Teil der Nachfrageauszuschalten, als bei Luxusgegenständen, auf die Jedermann am leich-testen verzichten kann. Anderseits ist der Verbrauch und Bedarf anden unentbehrlichsten Dingen, wie oben bereits gezeigt wurde, amwenigstens steigerungsfähig; ein starkes Mehrangebot von Nahrungs-mitteln u. s. w. kann sich deshalb, namentlich wenn sie leichtverderb-lich sind, nur durch ganz unverhältnismäfsig viel gröfsere Preisherab-setzungen Absatz verschaffen, als ein vermehrtes Angebot von Luxus-artikeln, für welche eine Schranke der Aufnahmefähigkeit überhauptnicht existiert. Durch diese Verhältnisse erscheint die Wertbeständig-keit der Edelmetalle, für welche ihre substantielle Dauerhaftigkeit dieerste Voraussetzung und ein äufserliches Symbol ist, in ganz besondershohem Grade gewährleistet.
Wenn auch einzelne der aufgezählten Eigenschaften bei anderenObjekten in gleichem oder gar in höherem Mafse gegeben sind, sofindet sich doch eine derartig glückliche und vollkommene Vereinigungnur bei den Edelmetallen. Wenn z. B. den Diamanten die Kostbarkeitin höherem Mafse eigen ist, so besitzen, sie dafür die Unzerstörbarkeitnur in geringerem Grade, und die Formbarkeit geht ihnen völlig ab.Durch die Vereinigung der aufgezählten Eigenschaften sind die Edel-