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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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1. Kapitel. Die Entstehung des Geldes. § 5.

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bestand namentlich in Babylonien eine entwickelte Geldwirtschaft und,auf dieser beruhend, sogar ein umfangreicher Kreditverkehr, von demsich Zeugnisse in unzähligen Keilinschrif'ten, die unter den Trümmernder babylonischen Städte gefunden wurden, erhalten haben. Trotzdieser hohen Entwicklung ist von Münzprägung für jene Zeit nochkeine Spur nachzuweisen. Man begnügte sich damit, die Barren nachden Unterabteilungen des Gewichtssystems in eine für den Verkehrhandliche Form zu bringen, in Ziegeln und Stücke von bestimmtem Ge-wicht, die kleineren Stücke auch in die Form von Bingen , von denensich auf ägyptischen Denkmälern zahlreiche Abbildungen erhalten haben.Gegen Betrug, namentlich in Bezug auf den Feingehalt, bestand inder Herstellung solcher gleichartiger Metallstücke noch keine hin-reichende Sicherheit. Der Gedanke der Beglaubigung des Feingehaltesund Gewichts der Barren und Ringe durch eine Stempelung, die sichja den Edelmetallen leicht aufprägen läfst, liegt aufserordentlich nahe,und es ist auffallend, dafs man erst verhältnismäfsig spät auf diesenGedanken gekommen zu sein scheint; im alten Babylonien und Ägypten kannte man eine solche Stempelung, wie bereits erwähnt, überhauptnicht. Bei den Juden wurde vor dem Babylonischen Exil das Metall-geld nur zugewogen; ebenso bei den Griechen zur Zeit Homers undbei den Römern wahrscheinlich bis zur Zeit der Decemvirn (pendere =wiegen; davon expensa, Stipendium u. s. w.). Der chinesische Tael istheute noch nur eine Gewichtseinheit ungeprägten Silbers.

Die ältesten mit einer gleichartigen Stempelung versehenen Edel-metallstückchen stammen, soweit unsre Kenntnis reicht, aus dem klein-asiatischen Grenzgebiet der griechischen und orientalischen Kultur undgehören dem 7. Jahrhundert vor Christi Geburt an. Schon Herodot hat behauptet, dafs die Lyder die ersten Menschen gewesen seien, diegoldene und silberne Münzen geprägt haben. Die neuerenForschungen und Münzfunde haben diese Annahme durchaus bestätigt.Von Lydien aus scheint sich die Erfindung der Münze rasch überVorderasien und Griechenland verbreitet zu haben, und nach und nachhat sie sich die ganze Welt erobert.

Die ältesten lydischen Münzen, die wir kennen, sind von sehr ein-fachem Äufseren; sie sind ovale Metallpättchen, die auf der einenSeite eine Anzahl paralleler Streifen aufweisen, auf der andern einigeunregelmäfsige Vertiefungen. Etwas späteren Ursprungs sind die Stücke,die auf der einen Seite ein eigentliches Münzbild, z. B. einen Löwen-kopf, zeigen, auf der andern Seite an Stelle der unregelmäfsigen Ver-tiefungen ein Quadrat (quadratum incusum). Es hat lange gedauert,bis auch die Rückseite ein vollkommenes Münzbild erhielt (etwa vonder Mitte des 5. Jahrhunderts an). Als Münzbilder finden wir aufserTierköpfen Darstellungen religiösen Inhalts, wie Götterbilder, die auf