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Das Geld / von Karl Helfferich
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Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

§ 5. Die Erfindung der Münze.

Bei allen den natürlichen Vorzügen, welche die Edelmetalle zumallgemeinen Tauschmittel geeignet machten, stand der Ausdehnungihres Gebrauchs zu Geldzwecken ein starkes Hindernis entgegen. Beider grofsen Kostbarkeit des Silbers und namentlich des Goldes kames in besonders hohem Grade auf die genaue Feststellung des Gewichtesund der Beschaffenheit der Edelmetallstückchen an. Solange die meistenMitglieder eines Stammes Jäger waren, wufsten sie den Wert vonWaffen und Jagdgerät aller Art sachverständig zu prüfen; solangedie meisten Stammesgenossen Hirten waren, konnten sie ein Bind odereine Ziege mit kundigem Blick abschätzen. Niemals aber war einnennenswerter Bruchteil eines Volkes sachverständig bei der Prüfungvon Edelmetallen. Schon das genaue Wiegen macht, auch nachdemdie Goldwage erfunden ist, grofse Schwierigkeiten. Noch viel schwie-riger aber ist die Feststellung, ob und wieviel unedles Metall demGold oder Silber beigemischt ist. Das Aussehen der Metallstückchenwird selbst durch relativ grofse Zusätze von Kupfer nur unmerklichverändert, und auch die grofse specifische Schwere der Edelmetalle,namentlich des Goldes, ist kein ausreichender Schutz gegen die be-trügerische Beimischung anderer Metalle von geringerem Wert. Esist deshalb ein auf besonderen Kenntnissen beruhendes Probierverfahrennotwendig, um festzustellen, wie viel reines Edelmetall ein Barrenenthält. Die Notwendigkeit des Wiegens und Probierens bei jedemeinzelnen Tauschakt mufste jedoch die Verwendung der Edelmetalleals Tauschmittel stark beeinträchtigen.

Diese Schwierigkeit führte dazu, die für den Tauschverkehr be-stimmten Edelmetalle in eine bestimmte Form zu bringen, in Ringeund Barren von bestimmter Feinheit und bestimmtem Gewicht. InBabylonien 1 ), wo die Edelmetalle (Gold, Silber und daneben die Elektronoder Weifsgold genannte natürlich vorkommende Mischung beiderMetalle) zuerst die Alleinherrschaft als Geld gewonnen zu habenscheinen, wurde nach bestimmten Gewichtseinheiten Edelmetall ge-rechnet. Das Gewichtssystem beruhte auf sexagesimaler Teilung:1 Talent = 60 Minen zu 60 Schekel, ein System, das sich mit gewissenModifikationen später über ganz Vorderasien, Ägypten und Griechen-land verbreitet hat. Gold und Silber standen zu einander in dem alsfest angenommenen Wertverhältnis von 13 '/:i zu 1; die Gewichtseinheitwar für Gold und Silber in der Weise verschieden, dafs die (leichtere)Mine Gold gleich 10 Minen Silber galt. Auf Grund dieses Systems

1) Vergl. Brandis , Münz-, Mals - und Gewichtssystem in Vorderasien. 1866;Htjltsch , Griechische und römische Metrologie. 1882; Eduard Meyeh , Orientalischesund griechisches Münzwesen, im Handwörterbuch der Staatswissenschaften, Bd. V.