1. Kapitel. Die Entstellung- des Geldes. §§ 6. 7.
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und fünfte Decimalstelle ankommt, bleibt stets eine Unbequemlichkeit,die zwar in den Kontoren des Grofshandels, wo es sich um die Über-tragung grofser Werte handelt, leicht überwunden wird, die aber imGeben und Empfangen des täglichen Verkehrs nicht bewältigt werdenkann. Das verwickelte Rechnen wird nun dadurch auf ein einfachesZählen reduziert, dafs mehrere Münzsorten, von denen die gröfserenein Vielfaches der kleineren darstellen, geschalten werden, und dafsinnerhalb der verschiedenen Münzsorten die einzelnen Stücke in Fein-heit, Gewicht und Gepräge vollständig gleichartig hergestellt werden.Dadurch wird es möglich gemacht, beliebige Wertsummen durch blofsesZuzählen gleichartiger Miinzstiicke zu übertragen.
Erst durch diese Reduktion des Rechnens auf das Zählen erhieltdas Edelmetall in der Form von Münzen jene ganz allgemeine Ver-wendbarkeit als Tauschmittel, die für die Entwicklung des Geldwesens,ja für die Entwicklung der gesamten Wirtschaftsverfassung geradezuausschlaggebend geworden ist. Alle Vorzüge, mit welchen die Edel-metalle von Natur für die Verrichtung von Geldfunktionen ausgestattetsind, konnten jetzt erst in volle Wirksamkeit treten, auch in denjenigenSchichten des Verkehrs, die des Wiegens, Probierens und des Rechnensmit komplizierten Zahlen unkundig sind. In der Form von Münzenwurden die Edelmetalle auch dort im Austausch gegen andere Warenangenommen, wo man sie ungeprägt aus Mifstrauen über ihre wirk-liche Beschalfenheit zurückgewiesen hätte. Zu allen ihren innerenVorzügen verschaffte ihnen die Münzform die Leichtigkeit und Ein-fachheit der Übertragung, die für die Entwicklung des in der fortge-setzten Übertragung seine eigentliche Bestimmung findenden Geldeseine unerläfsliche Voraussetzung war. Deshalb ist es den Edelmetallenerst in gemünzter Form gelungen, alle übrigen Tauschmittel zu ver-drängen. Während diese allmählich immer mehr wieder auf ihreStellung als blofse Gebrauchs- oder Verbrauchsgüter zurückgeführtwurden, erfuhr die Gangbarkeit des gemünzten Geldes aus sich selbstheraus eine fortgesetzte Steigerung: je leichter das gemünzte Metallim Austausch gegen andere Güter anzubringen war, desto stärkerwurde der Begehr nach ihm. So entwickelte sich in der Münze einObjekt, vermittelst dessen man alle anderen tauschbaren Güter erhaltenkonnte, und welches deshalb Jedermann für die von ihm selbst nichtbenötigten oder benutzten Güter zu erhalten strebte.
§ 7. Die Verkörperung der Geldfunktion in der Münze.
Je mehr sich die Verwendung zu Geldzwecken auf eine einzelneKategorie von Gegenständen konzentrierte, desto stärker mufste an sichschon der Gegensatz zwischen Geld und den übrigen Gütern hervortretenund empfunden werden. Solange alle tauschbaren Güter gleichzeitig