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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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1. Kapitel. Die Entstehung des Geldes. § 7.

Das gemünzte Geld zeigte sich nun, wie bereits hervorgehoben,in seiner Brauchbarkeit als Tauschmittel dem rohen Metall soweitüberlegen, dafs die Vorstellung, welche man sich von der Münze machte,schon aus diesem Grunde sich bald von der Vorstellung eines blofsendurch Formgebung beglaubigten Metallquantums entfernen mufste. Woeinmal im allgemeinen Verkehr die Münze Fufs gefafst hatte, da warbald mit umgeprägtem Metall nichts mehr anzufangen; nur in ge-münztem Zustand übte das Metall jene bald als geheimnisvoll er-scheinende Macht über alle andern Waren aus.

Mufste schon dadurch die Vorstellung geweckt werden, dafs diePrägung das Wesentliche an der Münze sei die Prägung, die ur-sprünglich nur eine Beglaubigung des Wesens der Münze war!,und dafsder Metallgehalt erst in zweiter Beihe käme: so wurde dieser Eindrucknoch verstärkt durch die Wahrnehmung, dafs auch Münzen, die durchAbnutzung unter ihren ursprünglichen Metallgehalt herabgesunkenoder die gar von Anfang an unter ihrem ursprünglichen Metallgehaltausgeprägt worden waren, sich im Verkehr als gangbar erwiesen. Manfing an, die Prägung als eine Art Hexerei anzusehen, die nicht nurgewöhnliche Waren in Geld verwandeln, sondern auch aus geringerenWerten höhere Werte schaffen könne.

Befördert wurde die Verselbständigung des Begriffs der Münzegegenüber demjenigen eines bestimmten Edelmetallquantums dadurch,dafs die Münzen überall eigene Namen erhielten. Auch dort, wo derMünzname ursprünglich nichts war als eine bestimmte Gewichtsbe-zeichnung, wie Seckel, Drachme, Talent, As, Livre, Pfund, Mark u. s. w.,gewann er bald eine selbständige, von der Gewichtsbezeichnung unab-hängige Bedeutung. Oft aber war der Miinzname von vornherein einwillkürlicher, der keinerlei Gewichtsbezeichnung enthielt. Diese schein-bare Formsache der Einführung eigner Namen für die Münzen wurdedadurch aufserordentlich wichtig, dafs überall, wo die Münze Bodenfafste, die Kaufverabredungen und Zahlungsverträge nicht etwa in be-stimmten Gewichtsmengen staatlich beglaubigten Goldes, Silbers oderKupfers, sondern in bestimmten Summen von Gold-, Silber- oder Kupfer-münzen abgeschlossen wurden. Vor der Erfindung der Münze, als dasGeld als solches noch kein konkreter Gegenstand, sondern nur eineFunktion war, die nebenbei von gewissen Gebrauchsgütern erfülltwurde, konnte es den Begriff der Geldsumme noch nicht geben; waswir heute Geldsumme nennen, deckte sich damals vollständig mit derBezeichnung der Anzahl oder Gewichtsmenge der als Tauschmittel ver-wendeten Gebrauchsgüter; um Geldsummen zu messen und auszudrücken,brauchte man keine andern Vorstellungen und Mafseinheiten als die,welche zur Bestimmung und Bezeichnung der Quantität bei den ge-wöhnlichen Gütern notwendig waren. Solange in der Hauptsache Vieh