Druckschrift 
Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

40 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

verschiedenen Typen geprägt. Es kam vor, dafs einzelne Münzsortenzuerst von auswärts eindrangen, sich grofse Beliebtheit errangen, unddafs dann schliefslich der Staat selbst, ohne die Prägung seiner altenMünzen aufzugeben oder mindestens ohne die umlaufenden alten Münzengänzlich zu beseitigen, den neuen Münztypus adoptierte. Je gröfserdie Zersplitterung des Prägerechtes und je geringer die Geschlossen-heit des Münzumlaufs nach aufsen hin, desto gröfser die Mannigfaltig-keit der Münzsorten.

Gleich bei der ersten Einführung der Münze beobachteten wir einesolche Mannigfaltigkeit. In Lydien selbst, dem Ursprungslande derMünze, scheinen von Anfang an Goldmünzen nach zAvei verschiedenenTypen, beruhend auf der Verschiedenheit des babylonischen und desvon diesem abgeleiteten pliönizischen Edelmetallgewichtssystems, ge-prägt worden zu sein: Statere von etwa 14,2g Gewicht (phönizischerFufs) und Statere von nur 10,8 g Gewicht (babylonischer [Silber-] Fufs),beide mit Teilstücken. Auch in den griechischen Stadtstaaten Klein-asiens prägte man nach verschiedenen Gewichtssystemen, teilweise nachdem phönizisch-lydischen Fufs, teilweise nach dem schweren babylo-nischen Goldgewicht (der Stater zu etwa 16,5 g); letzterer Typus wurdenamentlich in Pholtäa geprägt zu der Zeit, als diese Stadt auf demHöhepunkt ihrer wirtschaftlichen Bedeutung stand. Dafs hinsichtlichdes Münzfufses der Silbermünzen in den griechischen StadtstaatenKleinasiens eine sehr viel weiter gehende Verschiedenheit herrschte, alshinsichtlich der Goldausmiinzungen, ist bereits erwähnt worden.

Zu der Verschiedenheit der Münztypen, soweit sie sich im Rauh-gewicht der Münzstücke äufserte, kam noch die Verschiedenheit derZusammensetzung des Elektron nach Gold und Silber hinzu. Es istbereits darauf hingewiesen worden, wie sehr sich diese Mischung all-mählich verschlechtert hat. Das Ergebnis einer mit einem phokäischenStater vorgenommenen Schmelzprobe, das Mommsen in seiner Geschichtedes römischen Münzwesens mitteilt, war eine Mischung von nur 412Tausendteilen Gold, 539 Tausendteilen Silber und 49 Tausendteilen Kupfer.

Schon der Lyderkönig Krösus sah sich, etwa ein Jahrhundert naclider Erfindung der Münze, infolge der zahlreichen Spielarten der inseinem Königreiche umlaufenden Münzen und infolge der Verschlechte-rung des Elektron zu einer durchgreifenden Münzreform genötigt. Umdas Münzwesen seines Staates auf eine einfachere und zuverlässigereBasis zu stellen, schaffte er die Elektronprägung ab und führte Münzenaus reinem Gold und Silber ein; aber auch die neuen Münzen wurdennicht nach einem einheitlichen, sondern abermals nach zwei verschieden-artigen Typen geprägt.

Wir sehen also, wie sich gleich nach der Einführung des gemünztenGeldes innerhalb eines und desselben Cirkulationsgebietes verschiedene