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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
44
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44 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

Vo Mark Feingehalt war für lange Zeit die Grundlage des deutschenSilbergeldes.

Wir haben also in jener Zeit eine grofse Mannigfaltigkeit vonMünzsorten, die nicht als Ganz- und Teilstücke zusammengehörten,von denen vielmehr jede mit ihren Ganz- und Teilstücken einen eignenTypus darstellte, und von denen jede ihre eigne, noch dazu nachStaaten und Territorien verschiedene Geschichte hatte. Noch vielgröfser war die Mannigfaltigkeit der Münzsorten und die Verschieden-heit je nach dem Orte und der Zeit der Prägung bei dem kleinen Gelde,das sich in einem fortgesetzten Flufs von Veränderungen befand undmit dem grofsen Geld nur einen ganz lockeren Zusammenhang hatte.

Schon auf den ersten Blick ergiebt sich, dafs dieses bunte Gewirrsich nicht mit unsern modernen, auf einem einzigen Münztypus undeiner einzigen Kechnungseinheit aufgebauten und nach dem Decimal-system oder einer andern rationellen Anordnung gegliederten Münz-systemen vergleichen läfst. Damit entsteht die Frage nach der Artund Weise des Nebeneinanders und nach dem gegenseitigen Verhaltender einzelnen Münzsorten.

§ 2. Das Sortengeld. 1 )

Es wurde bereits angedeutet, dafs die einzelnen Münzsorten in denJahrhunderten, mit denen wir uns hier beschäftigen, ihr eignes Schicksalhatten, und dafs die Ursachen für diese gegenseitige Unabhängigkeitder Münzsorten prinzipiell dieselben sind, auf welche die Unabhängig-keit der Münze überhaupt gegenüber dem Münzmetall zurückzuführenist. Die Kontrakte lauteten nicht auf Edelmetall schlechthin, sondernauf gemünztes Geld, und sobald verschiedene Münztypen aufkamen,konnten und mufsten sie auf die eine oder andere Münzsorte lauten.Die Veränderungen des Metallgehaltes der Münzen haben bewirkt, dafsdie gleiche Geldsumme in schwankenden Quantitäten Edelmetall sichdarstellte; sie haben auf diese Weise das feste Verhältnis zwischengewichtsmäfsig normierten Edelmetallmengen und nach Münzeinheitenbestimmten Geldsummen aufgehoben. Wenn nun diese Veränderungen desthatsächlichen Metallgehaltes die verschiedenen neben einander umlaufen-den Münztypen in verschiedenem Mafse trafen, so mufste daraus eineebensolche Trennung zwischen den einzelnen Münzsorten hervorgehen.

1) Yergl. zu diesem Paragraphen meine Abhandlung überDie geschichtlicheEntwicklung der Münzsysteme" in meinen Studien über Geld- und Bankwesen, erstmalsgedruckt in Conrads Jahrbüchern. 3. Folge. Bd. IX; ebendort die Ausführungen vonLexis überParallelwährung und Sortengeld"; ferner Schmoller , Über die Aus-bildung einer richtigen Scheidemünzpolitik vom 14.19. Jahrhundert, in SchmollersJahrbuch. XXIV, 4; aufserdem Lexis , Art.ParallelWährung" im Handwörterbuchder Staatswissenschaften. Bd. VI.