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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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2. Kapitel. Die Entwicklung der Geldsysteme. § 2.

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Die Ursachen der Feingehaltsveränderungen der Münzsorten warennun im wesentlichen folgende:

Die Mangelhaftigkeit der Prägetechnik bewirkte Ungleichmäfsig-keiten des Feingehaltes schon innerhalb einer und derselben Sorte. Insolchen Fällen lohnte es sich stets, die zu schwer geratenen Stückeauszusuchen, während die zu leicht geratenen im Umlauf blieben. Dereffektive Metallgehalt der umlaufenden Stücke entfernte sich damitvon dem ursprünglichen und normalen Gehalt, und zwar bei den ein-zelnen Sorten in verschiedenem Mafse je nach der Sorgfalt der be-treffenden Münzstätte und je nach der technischen Möglichkeit dergleichmäfsigen Ausprägung (bei kleinen Stücken sind aus natürlichenGründen die Abweichungen vom normalen Gehalt relativ gröfser, alsbei grofsen Stücken).

Zu dieser unabsichtlichen Verschlechterung des Umlaufs kamendie absichtlichen Verringerungen von Feingehalt und Gewicht bei derAusprägung. Diese Münzverschlechterungen waren bei denselben Münz-typen, z. B. beim Dukaten, territorial aufserordentlich verschieden,aufserdem wurden innerhalb eines und desselben Territoriums die ein-zelnen Münztypen in sehr verschiedenem Mafse von der Münzverschlech-terung betroffen. In Deutschland z. B. hatten die Münzherren für diePrägung des kleinen Geldes in viel höherem Grade freie Hand, alsbei der Prägung der grofsen Silbermünzen und der Goldstücke. Infolge-dessen waren die Verschlechterungen des kleinen Geldes weitaus stärker,als die der grofsen Münzen.

Schliefslich kommt in Betracht die Abnutzung der Münzen imUmlauf und die betrügerische Verkürzung ihres Feingehaltes durchBeschneiden, Befeilen und ähnliche Praktiken, die durch die primitiveMünztechnik, namentlich durch das Fehlen der Randprägung, sehr er-leichtert wurden. Auch diese Momente wirkten auf die einzelnen Sortenin verschiedener Stärke ein. Je nach Gröfse und Dicke unterliegendie Münzen der Abnutzung in verschiedenem Grade; dünne Münzen sindleichter zu beschneiden als dicke, schlecht geprägte können unmerk-licher in ihrem Feingehalte verkürzt werden, als gut geprägte.

Alle diese Umstände im Verein wirkten dahin, dafs das Verhältnisdes thatsächlichen Metallgehaltes der einzelnen Münzsorten fortgesetztenSchwankungen unterlag. Anderseits ist es der Staatsgewalt in jenerZeit noch nicht in vollem Umfange gelungen, den Münzen eine vonihrem Metallgehalte unabhängige Geltung beizulegen. Mafsgebend fürdie Bewertung, welche die einzelnen Geldsorten im Verkehr fanden,war vielmehr im grofsen Ganzen das Quantum von Edelmetall, dassie thatsächlich enthielten; neben diesem materiellen Moment kamaufserdem noch die gröfsere oder geringere Beliebtheit einzelner Münz-sorten in Betracht.