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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
46
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46 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

Die Folge war, dafs erstens die einzelnen Münzsorten zu einandernicht in festen, sondern in schwankenden Wertverhältnissen standen;dafs zweitens die einzelnen Sorten sich bei der Zahlungsleistung' nichtohne weiteres vertreten konnten; kurz dafs die einzelnen Sorten nichtein einheitliches System bildeten, sondern als verschiedene Arten vonGeld neben einander existierten. Es gab kein einheitliches Geld, inner-halb dessen die Sorten gleichgültig sind, es gab vielmehr nur einzelnevon einander unabhängige Münzsorten und Gruppen von Münzsorten,deren jede man nach Wahl oder Herkommen den Zahlungsverabredungenzu Grunde legte. Infolgedessen läfst sich diese Münzverfassung nichtauf eine Stufe stellen mit unsern modernen Währungssystemen, beidenen das Geld als eine von den Erscheinungsformen der einzelnenMünzsorten unabhängige Einheit erscheint; sie stellt vielmehr ein Vor-stadium dar, aus dem heraus durch eine wirksame Zusammenfassungder einzelnen Sorten sich unsre modernen Geldsysteme erst zu entwickelnhatten, und das, weil in ihm die Münzsorte eine ihr in den eigent-lichen Geldsystemen nicht mehr zukommende Bedeutung hat, sich wohlam besten alsSortengeld" bezeichnen läfst.

Der Zustand desSortengeldes" hat infolge der politischen Ver-hältnisse in Italien und vor allem in Deutschland die schärfste Aus-prägung erfahren.

In Italien ') haben wir es namentlich mit drei Gruppen von Münz-sorten zu thun, mit Goldgeld, grofsem Silbergeld und kleinem Silber-geld, und an diese einzelnen Gruppen schlofs sich eine getrennte Rech-nung und Buchung an. In Florenz hatte man am Ende des 13. Jahr-hunderts drei verschiedene Rechnungen neben einander, von denen jedeein Geldsystem für sich bildete:

J. Die reine Goldrechnung mit dem Goldgulden zu 20 Goldschillingenä 12 Denare (lira a oro").

2. Die Goldrechnung mit dem Goldgulden zu 29 Soldi a floriniä 12 Denare (lira a fiorini). Diese Rechnung lehnte sich an das Wert-verhältnis an, das im Jahre 1271 thatsächlich zwischen Goldguldenund Silbersoldo (grosso) bestand, und die daraus hervorgehende Rech-nung wurde beibehalten, auch nachdem der Kurs des Soldo durchfortgesetzte Verschlechterungen stark gesunken war; dadurch wurdedas Kleingeld dieser Rechnung zu einem fiktiven Kleingeld, ebenso wiedas Kleingeld der reinen Goldrechnung von jeher ein fiktives, durchkeinerlei Münzstücke dargestelltes gewesen war.

3. Die Rechnung in lira, soldi und denarii des umlaufenden Klein-geldes, die sich auf die Soldi und Denare aufbaute, und bei der dielira ebenso ein fiktives Geld war, wie bei den ersten zwei Rechnungen

1) Verg'l. Schmoller a. a. 0.