2. Kapitel. Die Entwicklung der Geldsysteme. §4.
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erschien es jedoch wünschenswert, auch Gold- und Silbermünzen zueinem einheitlichen System zusammenzufassen. Das konnte natürlichnur gelingen, wenn man entweder das Wertverhältnis zwischen denMetallen Gold und Silber festzulegen vermochte, wenn es gelang, durch-zusetzen, dafs ein Pfund Gold immer und unveränderlich soviel wertsei wie eine ganz bestimmte Anzahl von Pfunden Silber, oder aberwenn es gelang, den Wert der Münzen des einen Metalls von ihremMetallgehalte, der bisher auf die Dauer für den Wert der Münzen aus-schlaggebend gewesen war, unabhängig zu machen und ihn mit demWert des andern Metalls zu verbinden, wenn es beispielsweise gelang,das Gold allein zur Wertgrundlage aller Münzen des Systems, auchder Silbermünzen zu machen. Nur diese beiden Wege, die Beseitigungder Wertschwankungen zwischen Gold und Silber oder die Loslösungder Münzen des einen Metalls von ihrem gesetzlichen und thatsäch-lichen Metallgehalte und ihre Verbindung mit dem Werte des andernMetalls, konnten zum Ziele führen. Die Beseitigung der Wert-schwankungen zwischen Gold und Silber ist bis zum heutigen Tage— wie hier vorgreifend bemerkt werden darf — nicht gelungen. DasProblem der Loslösung der Münzen des einen Metalls vom Werte ihresMetallgehaltes und ihre Verbindung mit den Münzen des andern Metallsist erst in der modernen Goldwährung vollkommen gelöst worden.
§ 4. Die Schwankungen des Wertverhältnisses zwischen Gold und Silber.
Die ältesten Nachrichten über die Wertrelation zwischen Goldund Silber stammen aus dem Babylonischen Reich, wo eine Gewichts-einheit Gold soviel galt wie 13 '/3 Gewichtseinheiten Silber. Es istwahrscheinlich, dafs sich dieses Wertverhältnis während mehrererJahrhunderte ohne wesentliche Schwankungen erhalten hat.
In Griechenland wurde im allgemeinen das Gold niedriger be-wertet. Für das Jahr 400 vor Christus ist eine Relation von 1:12zwischen Gold und Silber überliefert; bis zur Zeit Alexanders desGrofsen scheint sich das Wertverhältnis zwischen 1:13 '/s, der baby-lonischen Relation, und 1:11 '/2 bewegt zu haben. Nach der Eroberungdes persischen Reiches sank der Wert des Goldes im Verhältnis zumSilber auf 1:10.
In Rom war während der Zeit der Republik das gesetzliche Wert-verhältnis, das der Ausprägung von Silber- und Goldmünzen zu Grundelag, 1 :11,91. Das effektive Wertverhältnis der Metalle auf dem offenenMarkte wies jedoch zeitweise grofse Abweichungen von dieser Relationauf. So soll etwa ein Jahrhundert vor Christus die Entdeckung reicherGoldfelder bei Aquileia den Wert des Goldes gegenüber dem des Silbersum ein Drittel vermindert haben, und zur Zeit Cäsars soll die Wert-relation zwischen den beiden Metallen zeitweise auf etwa 1 : 8,9 herab-