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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
56
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56 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

gegangen sein. Für die ersten Jahrhunderte der Kaiserzeit ergebendie Prägevorschriften für Gold- und Silbermünzen Schwankungenzwischen 1:11,3 und 1:12,2. Die Zeit des Verfalls der römischenHerrschaft brachte eine wesentliche Steigerung des Goldwertes, diewohl zum gröfsten Teil darauf beruht haben mag, dafs in unruhigenund unsichern Zeiten das Gold, weil es bei gleichem Werte leichter zutransportieren und zu verbergen ist als das Silber, stets gegenüber demweifsen Metall bevorzugt wird. Die Meinungen über die zahlenmäfsigeGestaltung der Wertrelation in jener Zeit gehen auseinander, da dieBedeutung gewisser kaiserlicher Verordnungen der Jahre 397 und 422nach Christi Geburt , welche auf ein Wertverhältnis von 1 :14,4 undgar von 1:18 schliefsen lassen würden, nicht ganz klargestellt ist.

Während des Mittelalters hat sich die Wertrelation der beidenMetalle im grofsen Ganzen zwischen 1 : 10 und 1:12 gehalten. Füreinzelne Fälle freilich sind beträchtliche Abweichungen nach oben undunten über diesen Spielraum hinaus nachgewiesen, etwa von 1:8 bis1 : 13,6. Der ersten deutschen Reichsmünzordnung von 1524 liegt einWertverhältnis von ] : 11,38 zwischen Silber und Gold zu Grunde.

Vom Anfang des 16. Jahrhunderts an ist ein langsames Steigendes Goldwertes zu beobachten. Soetbeer berechnet die ungefähreRelation zwischen Silber und Gold von 1501 bis 1520 auf 1:10,75, für1601 bis 1620 auf 1 : 12,25. In den folgenden fünf bis sechs Jahr-zehnten erfuhr diese Entwicklung eine plötzliche und starke Be-schleunigung. Die Wertrelation von 1660 bis 1680 wird von Soetbeerauf 1 :15 geschätzt. Für den Anfang des 18. Jahrhunderts haben wireine Relation von 1 :15 V-i.

Der Verlauf des 18. Jahrhunderts brachte zunächst einen relativenRückgang des Goldwertes bis auf eine Relation von I : 14,56 von 1751bis 1760, dann aber eine neue Steigerung bis auf etwa 1 : 15 '/2 umdie Jahrhundertwende.

In den ersten sieben Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts bewegtesich die Relation in verhältnismäfsig engen Grenzen um 1 :15 'Ii. Derungünstigste Stand für das Silber war (nach den Londoner Silber-preisen) 1:16,12 im Jahre 1848, der günstigste 1 :15,03 im Jahre 1859.

Vom Beginn der 70 er Jahre an trat eine heftige Entwertung desSilbers ein, die im Laufe von drei Jahrzehnten dem Silber mehr als dieHälfte seines Wertes dem Golde gegenüber entzog. Am Ende des 19. Jahr-hunderts galten erst 3435 Pfund Silber so viel wie ein Pfund Gold.

Es ist hier noch nicht der Platz zur Untersuchung der Ursachendieser Schwankungen; wir werden später finden, dafs ihre Gründeeinmal in den Verhältnissen der Edelmetallproduktion liegen, dann inden Schwankungen der Nachfrage nach Gold und Silber, wie sie durchden Wechsel der Zeiten, durch die wirtschaftliche Entwicklung, welche