60 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.
ein festes Wertverhältnis zwischen Silber- und Goldmünzen im Wegeder staatlichen Tarifierung angestrebt. In der ersten Hälfte des17. Jahrhunderts bewirkten häufige Schwankungen der Wertrelationvon Gold und Silber, dafs — ungeachtet der durch Veränderungen desFeingehaltes der Münzen vorgenommenen Korrekturen — Goldumlaufund Silberumlauf fortgesetzt miteinander abwechselten.
Die daraus entstehenden Unbequemlichkeiten führten schliefslichdazu, dafs man einen neuen Weg einschlug, um Gold- und Silbermünzendauernd nebeneinander im Umlauf zu erhalten. Das abwechselnde Ver-schwinden der Goldmünzen und der Silbermünzen hatte die dauerndeErhaltung des gleichzeitigen Umlaufs beider Münzsorten als ein be-sonders dringendes Bedürfnis erscheinen lassen, so dafs man bereit war,diesem Bedürfnis das feste Wertverhältnis von Gold und Silber, dessenErstreb ung die Schuld an dem Wechsel des Geldumlaufs trug, zumOpfer zu bringen. Man verzweifelte an der Möglichkeit, Gold- undSilbermünzen in eine feste Beziehung zu bringen und dabei dem Ver-kehr einen genügenden Umlauf von beiden Münzsorten zu sichern. Alsim Jahre 1663 eine neue Goldmünze, die Guinea, eingeführt wurde,verzichtete man im Gegensatz zur bisherigen Praxis darauf, derenWert in Silbergeld gesetzlich festzulegen; man überliefs vielmehr dieBewertung der Guinea dem freien Verkehr und gestattete den Re-gierungskassen, die Guineas zum Tageskurse in Zahlung zu nehmen.
Dieses System, mit welchem England von 1663 an einen Versuchmachte, nennt man heute Parallel Währung, weil in ihm ein Systemvon Goldmünzen und von Silbermünzen nebeneinander einhergeht,ohne dafs beide Systeme durch eine gesetzliche Tarifierung miteinanderverbunden sind.
Aber auch dieses System befriedigte nicht. Es war für den Ver-kehr überaus lästig, mit zwei verschiedenen Geldarten, die in schwan-kendem Kursverhältnisse zueinander standen, rechnen zu müssen. Unterdem Druck dieser Unbequemlichkeit mufste der Versuch mit derParallelwährung, der nichts war als ein Verzicht auf ein einheitlichesGeldwesen, bald wieder aufgegeben werden.
Den ersten Anlafs zu einem neuen Eingriif der Regierung gab derUmstand, dafs das englische Silbergeld infolge betrügerischer Verkür-zung seines Feingehaltes gegen Ende des 17. Jahrhunderts einen grofsenTeil seines ursprüglichen Metallgehaltes verlor — es wird behauptetbis zu 50 Proz. —, und dafs infolgedessen der Kurs der neuen und ver-hältnismäfsig vollwichtigen Guineas, die anfangs als ein Stück imWerte von etwa 20 Schilling gedacht waren, bis auf 30 Schilling unddarüber stieg. Für die Regierung, welche eine Reform des ver-schlechterten Silberumlaufs beabsichtigte, war ein so hoher Guineakursüberaus unbequem, und um einer weiteren Steigerung einen Riegel