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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
75
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2. Kapitel. Die Entwicklung der Geldsysteme. § 7. 75

bis zum Jahre 1S99, mit der kurzen Unterbrechung von 18431854.Der erste Abschnitt dieser Papiergeldperiode endete mit einer beträcht-lichen Entwertung des Papierrubels gegen den ursprünglichen Silber-rubel. Im Jahre 1843 wurden die alten uneinlüsbaren Rubelassignatengegen ein neues Papiergeld, die einlösbaren Reichskreditbillets, ein-gelöst, und zwar mit der Maßgabe, dafs für je 350 Rubel in Assignaten100 Rubel in Ivreditbillets gegeben wurden. Solange die Kreditbilletseinlösbar waren, bestand wieder eine Silberwährung. Aber infolge desKrimkrieges mufste im Jahre 1854 die Einlösung eingestellt werden,und die zweite Periode der russischen Papierwährung begann mit derEntstehung eines neuen Aufgeldes auf den Silberrubel. Dafs vomJahre 1860 an die Kreditbillets als Noten der staatlichen russischen Reiehsbank erschienen, brachte keine materielle Änderung. Das Metall-aufgeld stieg allmählich bis auf etwa 30 Prozent, bis der Russisch-Türkische Krieg im Jahre 1877 mit einer starken "Vermehrung der Papier-geldausgabe eine weitere heftige Steigerung des Agios herbeiführte. DerKurs des Papierrubels bewegte sich von nun an in grofsen Schwankungen,die, nachdem das Silber in den wichtigsten Kulturstaaten demonetisiertund seine Prägung auch in Rufsland eingestellt worden war (1876),nicht mehr an dem ursprünglichen Währungsmetall, dem Silberrubel,gemessen wurden, sondern an den ausländischen Goldwährungen, nament-lich an der deutschen Reichswährung. Der Berliner Rubelkurs erreichtein jener Periode seinen tiefsten Stand mit 164 Mark pro 100 Rubelim Jahre 1887, seinen höchsten Stand mit 265 Mark im Jahre 1890-Vom Jahre 1894 an gelang es den geschickten Operationen des russi-schen Finanzministeriums, in Vorbereitung der Einführung der Gold-währung den Berliner Rubelkurs auf etwa 220 Mark zu befestigen,und die im Jahre 1899 formell vollendete Goldwährung entsprichteinem Rubelkurs von 216 Mark.

Österreich hatte bereits während der französischen Revolutions-kriege im Jahre 1793 seine Zuflucht zur Papiergeldwirtschaft ge-nommen, die in ihrem Verlaufe zu einer sehr erheblichen Entwertungführte. Die für uneinlösbar erklärten Noten der "Wiener Stadtbankhatten im Jahre 1811 nur noch '/13 ihres ursprünglichen Metallwertes.Ihre Ersetzung durch ein neues Papiergeld hatte keinen Erfolg. Erstder im Jahre 1816 gegründeten Nationalbank gelang es, wieder ge-ordnete Geldverhältnisse herzustellen. Die Unruhen des Jahres 1848führten zur Einstellung ihrer Noteneinlösung, und damit begann eineneue Periode der Papierwährung, die bis heute noch nicht zum voll-ständigen Abschlufs gekommen ist. Neben den uneinlösbaren Bank-noten wurde uneinlösbares Staatspapiergeld ausgegeben. Die Versuchezur "Wiederherstellung der Barzahlungen, die 1853, 1858 und 1866gemacht wurden, scheiterten im ersten Falle an der beim Ausbruch