76 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.
des Krimkrieges notwendig gewordenen Mobilmachung, im zweiten Falleam Ausbruch des Krieges mit Italien , im dritten Falle an dem Kriegemit Preufsen. Der Geldbedarf des Staates wurde durch diese Ereig-nisse stets im entscheidenden Moment so stark erhöht, dal's die Wieder-herstellung der Silberwährung aufgegeben werden mufste. Das Aufgeldauf Silbergeld stieg 1850 bis auf 50 Prozent, 1859 bis auf 53 Prozent,Vom Beginn der 70 er Jahre an, während der Entwertung des Silbers,hielt sich der Wert des österreichischen Papiergeldes verhältnismäfsigstabil gegenüber den ausländischen Goldwährungen, und das Silberagiosank immer mehr, bis es schliefslich ganz verschwand. Ebenso wie fürRufsland war jedoch auch für Österreich ein festes Wer tverhältnis zwischenseinem Gelde und dem Silber, dem ursprünglichen Währungsmetall,gleichgültig geworden; wichtig war dagegen die Befestigung des öster-reichischen Geldwertes gegenüber dem Geldwerte der ausländischen Gold-währungen. Österreich kehrte sich deshalb durch Einstellung der freienSilberwährung vom Silber ab und begann Vorbereitungen zu treffen,sein Geldwesen auf dem Boden der Goldwährung wiederherzustellen.Das Gesetz von 1892 giebt der neuen Münzeinheit, der Krone (=J /2 Gulden), einen Goldwert von ungefähr 85 Pfennigen. Da die Notender Österreichisch-Ungarischen Bank noch nicht einlösbar sind, ist derKurs des österreichischen Geldes auch seit 1892 zeitweise um einige Pro-zente unter diesen Wert herabgegangen; im grofsen Ganzen jedoch hates sich als möglich gezeigt, das österreichische Geld auf der ihm durchdie neuen Währungsgesetze beigelegten Goldparität zu erhalten.
Wir haben es in den zuletzt geschilderten Fällen mit einem Papier-gelde zu thun, dessen Wert sich zwar von demjenigen seines ur-sprünglichen Metalläquivalents entfernt, das aber nicht einer raschenund schliefslich vollständigen Entwertung unterliegt, sondern sich vieleJahrzehnte hindurch — zwar mit grofsen Schwankungen im einzelnen,aber doch mit einer gewissen Wertstabilität im ganzen — im Umlauferhält. Die Bewegungen seines Wertes werden weder durch seinen ansich wertlosen Stoff, noch durch sein ursprüngliches Metalläquivalent, nochdurch irgend einen andern Wertgegenstand bestimmt; das Geld ist hiernicht nur dem Begriffe nach, sondern auch in seiner Wertbewegung durch-aus unterschieden und unabhängig von allen übrigen Güterkategorien.
§ 8. Metallische Währungen mit gesperrter Prägung.
Eine ähnliche Erscheinung im Gebiete des modernen Geldwesens,wie die Papierwährung, ist die metallische Währung mit gesperrterPrägung des Währungsmetalls. Bereits im System der Goldwährunghaben wir Münzen aus Silber kennen gelernt, denen auf Grund derbeschränkten Prägung ein ihren Stoifwert überschreitender Wert, dersich vom Golde ableitet, beigelegt ist. Es ist nun im Laufe der neuesten