Druckschrift 
Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

82 Erstes Buch.. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

Geldes dar; sie bilden den entgegengesetzten Pol zu demjenigen, vonwelchem die Entwicklung des Geldes ausgegangen ist. Das Geldenstand damit, dafs Güter, die ihre wesentliche Bestimmung im ge-wöhnlichen Gebrauch hatten, gelegentlich und nebenbei als Tausch-mittel verwendet wurden. Die Funktionen als gewöhnliches Gebrauchs-gut, z. B. als Schmuck, waren mit der Funktion als Tauschmittel indemselben Gegenstande vereinigt. Allmählich verengerte sich der Kreisder als Tauschmittel verwendeten Gebrauchsgüter, während gleichzeitigder gesamte Kreis der tauschbaren Güter eine grofse Erweiterungerfuhr; schliefslich bildeten sich die Edelmetalle immer mehr zum aus-schliefslichen Tauschmittel heraus. In der Münze erhielt die Funktionals Tauschmittel ihre eigentliche Verkörperung. In dieser Form warendie Edelmetalle nur noch Geld, in ungemünztem Zustande waren siebald nur noch gewöhnliche Waren. Die Münze, welche anfangs nur einnach Gewicht und Feingehalt beglaubigtes Stückchen Edelmetall war,löste sich im weiteren Verlaufe von dieser Grundlage los, sie wurdeeine selbständige Gröfse mit wechselndem Substrat. Ihr durch wech-selnde Edelmetallquantitäten gegebener Wert wurde die Einheit fürdie Bemessung von Geldsummen und damit die Einheit für die Be-messung von Werten überhaupt. Die einzige Gemeinschaft zwischendem Gelde und den übrigen Gütern bestand jetzt nur noch darin, dafs dasGeld seinen Wert jeweils von seinem etfektiven Metallgehalte ableitete.Allmählich aber wurde auch dieser letzte Zusammenhang gelockert.Bei einzelnen Münzstücken und Münzgruppen zuerst bei den Münzenaus unedlem Metall und den kleinen, stark legierten Silbermünzen,dann bei der Gesamtheit der Silbermünzen innerhalb der Goldwährung wurde ihr Wert als Geld von dem Werte ihres Stoffes losgelöstund mit dem Werte eines dritten Wertgegenstandes, mit dem sie stoff-lich nichts gemein hatten, in Verbindung gesetzt. Bei den Währungenmit gesperrter Prägung stieg der Geldwert, ohne sich von einem drittenStoffe abzuleiten, über den ihm ursprünglich zu Grunde gelegten Metallwertund begann teilweise auf der Funktion als Geld zu beruhen. Schliefs-lich haben wir in dem uneinlösbaren Papiergelde eine Geldart, deren Wertbei dem gänzlichen Fehlen eines stofflichen Wertes ausschliefslich aufder Qualifikation zur Verrichtung von Geldfunktionen beruht.

Damit ist der Kreis geschlossen: Während ursprünglich gewisseGebrauchsgüter nebenbei auch Geldfunktionen verrichteten, währenddie metallischen Münzen durch Einschmelzung und Verarbeitung jeder-zeit in Gebrauchsgüter verwandelt werden können und ihr Wert an-fangs ausschliefslich, später zum Teil auf der Möglichkeit der Umwand-lung in Gebrauchsgüter beruht, ist das Papiergeld überhaupt nur alsGeld zu gebrauchen, als Gebrauchsgut ist es wertlos; es ist die reineVerkörperung der Geldfunktion.