3. Kapitel. Edelmetallproduktion und Wertverhältiiis. § 3. 91
In den folgenden Paragraphen soll die Gestaltung der Produktioneines jeden der beiden Edelmetalle im einzelnen besprochen werden.
§ 3. Die Goldproduktion von 1493 bis zur Gegenwart.
Wenn man die Zahlenreihen der Tabelle auf S. 90 überblickt,dann lassen sich sowohl für die Gold- als auch für die Silbergewinnunggewisse, sich, durch Richtung und Stärke der Entwicklung von einanderunterscheidende Perioden deutlich erkennen.
1. Periode: 1493—1680. — Die Goldgewinnung zeigte zunächstbis zur Wende des 17. und 18. Jahrhunderts eine allmähliche und nurwenig unterbrochene Zunahme. In Europa standen die salzburgischenGoldbergwerke von der Mitte des 15. bis zur Mitte des' 16. Jahrhundertsauf dem Höhepunkt ihrer Ergiebigkeit, während die GoldproduktionSiebenbürgens und die Goldwäschereien in deutschen, böhmischen undfranzösischen Flüssen mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts ihre Blüte-zeit bereits überschritten hatten. Während aber die salzburgischeProduktion von der Mitte des 16. Jahrhunderts überhaupt nicht mehrin Betracht kam und während die europäischen Goldwäschereien jähr-lich nur einige hunderttausend Mark brachten, hat Siebenbürgen immerhin während des 16., 17. und 18. Jahrhunderts noch einiger-mafsen ansehnliche Goldmengen geliefert. Nach Soetbeee ist dieGoldproduktion des heutigen Österreich-Ungarn von 1500—1520 aufdurchschnittlich 2000 kg pro Jahr = ca. 5,6 Mill. Mark zu veran-schlagen bei einer Weltproduktion von etwas mehr als 16 Mill. Mark;von 1545 -1780 dagegen nimmt Soetbeee für die Österreich -ungarischeGoldproduktion nur noch 1000 kg == ca. 2,8 Mill. Mark pro Jahr an.Dagegen hat in jener Zeit des Rückgangs der europäischen Gold-gewinnung zunächst Afrika und dann vor allem die neue Welt einenüberreichlichen Ersatz geliefert. Nach Soetbeee ist es bis zur Aus-beutung der Goldfelder in Neugranada und Brasilien (17. und 18. Jahr-hundert) höchst wahrscheinlich Afrika gewesen, welches dem europäischenVerkehr nachhaltig und in verhältnismäfsig bedeutender Menge Goldzugeführt hat. Die Portugiesen haben im 16. Jahrhundert nicht un-erhebliche Goldsummen, die wahrscheinlich aus dem südöstlichen Afrika stammten, nach Europa gebracht; Guinea hat in der zweiten Hälftedes 17. Jahrhunderts den Engländern erhebliche Goldmengen geliefert,Soetbeee schätzt die Goldzufuhr aus Afrika während des 16. Jahr-hunderts auf mehr 690 Millionen, während des 17. Jahrhunderts aufungefähr 560 Mill. Mark. Auch aus Japan sollen in der zweitenHälfte des 16. Jahrhunderts und im 17. Jahrhundert durch die Portu-giesen und später durch die Holländer nicht unerhebliche Goldmengennach Europa gebracht worden sein.
Die Goldbeträge, die in den ersten Jahrzehnten nach der Ent-