116 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.
4. Kapitel, üic Wandlungen im monetären Gebrauchder Edelmetalle von 145)3 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.
§ 1. Die Entwicklung von der Entdeckung Amerikas bis zum Endedes 18. Jahrhunderts.
In den beiden Jahrhunderten vor der Entdeckung Amerikas über-wog in den europäischen Kulturstaaten, soweit es sich auf Grund derlückenhaften Anhaltspunkte beurteilen läfst, der Gebrauch des Gold-geldes. Die fortgesetzte Verschlechterung der Silbermünzen soll injener Zeit dazu geführt haben, dafs sich der Grofshandel immer mehrder wahrscheinlich vom Orient nach Italien gebrachten und von dortüber ganz Europa bis nach England vordringenden Goldmünzen be-diente. Man hat sogar davon gesprochen, dafs in jener Periode in denwichtigsten Kulturstaaten die „Goldwährung" geherrscht habe. DasWort „Goldwährung" darf in diesem Zusammenhange natürlich nichtals die Bezeichnung eines bestimmten Währungssystems aufgefafst.werden; denn die Goldwährung in diesem Sinne und die Währungs-systeme überhaupt sind ja, wie im ersten Abschnitt gezeigt wurde,erst viel später entstanden. Die Geldverfassung der damaligen Zeitcharakterisiert sich vielmehr als Sortengeld; und der Ausdruck „Gold-währung" kann hier nur besagen, dafs innerhalb dieses Rahmens derthatsächliche Gebrauch von Goldgeld vorherrschend war.
Wie weit die herkömmliche Begründung dieses Zustandes durchdie Verschlechterung der Silbermünzen zutreffend ist, mufs hier dahin-gestellt bleiben. Nur zur Ergänzung sei auf einen Umstand aufmerksamgemacht, der aus der späteren Entwicklung eine besondere Beleuchtungerhält, nämlich auf die Thatsache , dafs es, wie oben (S. 88 u. 89) ausführ-lich dargelegt worden ist, überaus wahrscheinlich, ja man kann sagendurchaus sicher ist, dafs in jener Periode die Goldproduktion im Ver-hältnis zur Silberproduktion beträchtlich gröfser war, als vom Anfangdes 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Noch für die Zeit von1493 bis 1520 stellt sich nach der SoETBEEsschen Statistik der Anteildes Goldes am Gewicht der gesamten Edelmetallproduktion auf 11 Proz.,während er in der Folgezeit bis unter 2 Proz. herabging. Dem W T ertenach entfielen auf das Gold in dem genannten Zeiträume 57 Proz.,während sich sein Anteil im 16. und 17. Jahrhundert zeitweise unter20 Proz. ermäfsigte. Schon im Jahre 1419 hatten aber die Portugiesendas Kap Bojador an der Westküste Afrikas umsegelt, und der Gold-staub gehörte zu den wichtigsten AVaren, welche die portugiesischenSchiffe von den Küsten Afrikas nach Europa brachten. Wenn manferner erwägt, dafs bereits im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts diedeutsche Silberproduktion einen sehr erheblichen Aufschwung zeigte,