4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauch der Edelmetalle. § 1. 117
während von der Goldgewinnung eine ähnlich grofse Zunahme nichtberichtet wird, so erscheint der Schlufs gerechtfertigt, dafs in demJahrhundert vor 1493 der Anteil der Goldproduktion noch erheblichbedeutender war, als ihn die Ziffern für die Periode 1493 bis 1520ausweisen. Für eine Zeit, in der das Geldwesen noch nicht in festeFormen gegossen ist, in denen vielmehr der Verkehr alles als Geldbenutzt, was sich ihm als geeigneter Geldstoff darbietet, läfst ein Über-wiegen der Goldproduktion allein schon einen überwiegenden Gebrauchvon Goldgeld als natürlich erscheinen.
Mit der Hervorhebung des vorherrschenden Goldgebrauchs sindjedoch die Geldverhältnisse zur Zeit der Entdeckung Amerikas nochnicht genügend charakterisiert. Es mufs aufserdem erwähnt werden,dafs der Gebrauch des metallischen Geldes überhaupt damals noch einbeschränkter war, dafs die Naturalwirtschaft in den weitesten Schichtennoch nicht durch die Geldwirtschaft verdrängt war, wenn auch dieletztere während des Mittelalters erhebliche Fortschritte gemacht hatte.
Eine weitere Ausdehnung des Geldgebrauchs erschien aus der ge-samten wirtschaftlichen Entwicklung heraus notwendig. Aber erstdurch den gewaltigen Strom von Edelmetall, der sich von 1520 anüber die alte Welt ergofs. wurde der enorme Fortschritt der Geldwirt-schaft, der die neue Zeit auszeichnet, möglich gemacht.
Wenn wir sehen, dafs weitaus der gröfste Anteil an der Steige-rung der Edelmetallproduktion während des 16. und 17. Jahrhundertsauf das Silber entfällt, so mufs es als eine notwendige Folge erscheinen,dafs in jener Zeit das Silber das Gold aus seiner beherrschendenStellung als Geldmetall verdrängte. Diese Entwicklung hatte schonvor der Entdeckung der neuen Welt und ihrer Silberschätze begonnenmit der Steigerung der Silbergewinnung in Sachsen, Böhmen und Tirol.Die fortgesetzte Verschlechterung der Goldmünzen mag auch dieses Malden Umschwung begünstigt und den Verkehr für die Aufnahme der neuengrofsen Silbermünzen, die damals aufkamen, günstig gestimmt haben.Das entscheidende Moment war aber auch in diesem Falle sicherlichdie grofse Zunahme der Silbergewinnung in Verbindung mit dem Um-stände, dafs das Silber damals in viel höherem Grade als das Gold demwichtigsten monetären Bedürfnis der Zeit entsprach. Dieses Bedürfniswar die Ausdehnung des Metallgeldgebrauchs von den Höhen des Grofs-verkehrs auf die bisher noch von der Naturalwirtschaft beherrschtenunteren Schichten der Volkswirtschaft. Für den Grofshandel war dasGold ein ebenso geeignetes, ja ein tauglicheres Geld als das Silber;für den mittleren und kleinen Verkehr aber, für alle die weiten Kreise,die nunmehr der Geldwirtschaft neu erschlossen wurden, war bei derKleinheit aller wirtschaftlichen Verhältnisse das Gold ein viel zu kost-barer Geldstoff; nur das Silber konnte hier Eingang finden.