118 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.
Die Produktionsverhältnisse der Edelmetalle und die wirtschaft-lichen Bedürfnisse der Zeit wirkten also vereint dahin, dem Silberwieder die vorherrschende Stellung im Geldwesen zu verschaffen. Abereben deshalb wirkten diese beiden Momente in einer andern Beziehungeinander entgegen, nämlich in Hinsicht auf den Wert des Geldes imallgemeinen und auf das Wertverhältnis der beiden Edelmetalle imbesonderen.
Es ist hier noch nicht der Platz zu einer genaueren Untersuchungder Faktoren, welche den Wert der Edelmetalle bestimmen. Einersolchen bedarf es auch nicht, um zu erweisen, dafs aufserordentlicheVeränderungen in der Produktion der Edelmetalle, durch welche inner-halb weniger Jahrzehnte der Umfang des gesamten Edelmetallvorratesstark beeinflufst wird, für die Wertbewegung der Edelmetalle vonBedeutung sind. Es ist a priori wahrscheinlich, dafs die von Anfangdes 16. bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts eingetretene Vermeh-rung der gesamten Edelmetallproduktion auf das Siebenfache denWert des Geldes herabzudrücken geeignet war, und dafs speciell dieVermehrung der Silberproduktion auf das Neunfache bei einer Steige-rung der Goldgewinnung um nicht ganz die Hälfte das Wertverhältnisder beiden Metalle zu Ungunsten des Silbers herabdrücken mufste.
In der Tliat haben sich beide Wahrscheinlichkeiten verwirklicht,aber nicht entfernt in einem Mafse, das der Gröfse der Veränderungenin der Edelmetallproduktiou entsprochen hätte.
Zur Illustration der Entwicklung des'Geldwertes in der hier inBetracht kommenden Periode mögen die folgenden Zahlen dienen, dieRogers für England als effektive Durchschnittspreise ermittelt hat:
In den Jahren1541—1582
In den Jahren1583-1642
In den Jahren1643—1702
Weizen
Gerste
Hafer
Rindfleisch
Butter
Eisen .
Lohn der Maurergesellen . . .Lohn der landw. Arbeiter . .
13 sli. 6'/2 d
8 „ 5 :, /4 „5 „ 572 „
1 „ „
2 „ 8 „26 „ 2 3 /4 „
3 „ 4'/» „3 „ 3 „
36 sh. 1 d
19 „ 9 3 A „12 „ 5 „2 „ 5'/» „4 „ 9 /2 „33 „ 11'A „4 „ 2 J /4 „4 „ 1« „
4 t sh. ir /4 d22 2'/« „15 „ 2'/i „3 „ 5>/ 2 „
0 J7 1 JJ
38 „ 106 „ 774 „6 „ 474 „
Zweifellos wäre die Geldwertverringerung und die ihr entsprechendePreisrevolution eine beträchtlich stärkere gewesen, wenn nichtdas starke Bedürfnis nach einer Ausdehnung der Geldwirtschaft dengrofsen Massen neuen Metalls ein weites Verwendungsfeld gesicherthätte. Weil die vermehrte Produktion einem starken wirtschaftlichenBedürfnis entgegenkam, übte sie nicht ihre volle Wirkung auf denWert des Edelmetallgeldes aus. Weil aber dieses starke wirtschaft-liche Bedürfnis sich ausschliefslich auf das Silbergeld erstreckte, weil