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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
119
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4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauoll der Edelmetalle. § 1. 119

das weite Feld, das in jener Zeit der Geldwirtschaft neu erschlossen wurde,nur für das für kleinere Zahlungen geeignete Silber Verwendung hatte,deshalb erscheint die Einwirkung der veränderten Produktionsverhält-nisse auf die Wertrelation der beiden Metalle in noch viel höheremG-rade abgeschwächt, als die Einwirkung auf den Geldwert schlechthin.Durch die rasch fortschreitende Ausdehnung der Geldwirtschaft aufdie unteren Schichten der Volkswirtschaft gewann das Silber gegen-über dem Golde so sehr an Bedeutung und Verwendbarkeit innerhalbdes Geldwesens, dafs trotz der vielfach stärkeren Vermehrung derSilbergewinnung nur eine geringfügige Änderung der Wertrelation zuGunsten des Goldes eintrat, eine Verschiebung von 1:10,75 auf 1:12,25.

Die Periode von etwa 1620 an zeigt in den wesentlichsten Punkteneine umgekehrte Tendenz. Bei abnehmender Silbergewinnung fährtdie Goldproduktion fort zu steigen. Gleichzeitig wächst ans ver-schiedenen Gründen die monetäre Nachfrage nach Gold. Die europäischeWelt wurde damals durch langwierige und verheerende Kriege heim-gesucht, und in solchen unsicheren Zeit ist das Gold, weil es leichterzu transportieren und zu verbergen ist, stets mehr gesucht als dasSilber. Von der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts an kam hinzuder Aufschwung des internationalen Verkehrs und die Vergröfserungder Umsätze. Dadurch wurde in ähnlicher Weise, wie in der vorher-gehenden Periode durch die Ausdehnung der Geldwirtschaft nach untenhin für das Silber, so jetzt für das Gold ein weiteres Verwendungs-gebiet und eine stärkere Nachfrage geschaffen. Denn je mehr derinternationale Verkehr wächst, bei dem es sich um die Versendungbeträchtlicher Summen auf grofse Entfernungen handelt, und je gröfserdie Umsätze auch im Inlandverkehr werden, desto stärker wird dasBedürfnis nach Zahlungsmitteln, die in kleinem Volumen einen hohenWert repräsentieren, und in dieser Beziehung ist das Gold dem Silberweit überlegen. Nur aus dieser Zunahme der Goldnachfrage läfst essich erklären, dafs von 1620 an das Gold gegenüber dem Silber er-heblich im Werte stieg, während gleichzeitig der Anteil des Goldesan der Gesamtproduktion der beiden Metalle eine nicht unwesentlicheSteigerung aufwies. Das Wertverhältnis zwischen Silber und Goldging von 1 : 12,25 in der Periode 1601 bis 1620 auf 1 : 14 im Durch-schnitt der folgenden 20 Jahre, und es hob sich bis auf 1:15,21 imDurchschnitt der Jahre 1701 bis 1720. Das war die stärkste Ver-änderung der Relation seit dem Beginn des Mittelalters, und sie istauch späterhin nur übertroffen worden durch die Silberentwertung imletzten Drittel des 19. Jahrhunderts.

Die Möglichkeit, dafs der grofse Silberzuflufs aus der Neuen Welt,der von 1545 an begonnen hatte, seinen Einüufs auf das Wertver-hältnis der beiden Metalle erst von etwa 1620 an in vollem Umfange