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ein sprechender Beweis. Von 1838—1857 wurden im Gebiete des Zoll-vereins nur wenig mehr als 50 Millionen Thaler in Vereinsmünzen(Doppelthalerstücken) ausgeprägt, während gleichzeitig allein an Courant-münzen süddeutscher Währung eine Summe von etwa 80 MillionenTlialer zur Ausmünzung gelangte. Dagegen wurde von 1857—1871in den Zollvereinsstaaten an Vereinsmünzen (Ein- und Zweithaler-stücken) eine Summe von 229 Millionen Thaler geprägt, während diegleichzeitige Ausmünzung von Landescourantgeld der Thaler- und dersüddeutschen Gulden Währung nur 6 '/3 Millionen Thaler betrug; davonkamen etwa 2 Millionen auf die Landescourantmünzen der Thaler-währung ('/3- und '/ß'Thal er stücke) und 4 '/3 Millionen Thaler auf dieLandescourantmünzen der Guldenwährung. Die in dem Wiener Münz-vertrage aufrechterhaltene süddeutsche Guldenwährung war mithin nahedaran, durch die Vereinsmünzen erdrückt zu werden; von der gesamtenCourantausmünzung der Guldenstaaten selbst entfielen in der Zeit vomWiener Vertrage bis zur deutschen Münzreform nur etwa 8,4 Proz. aufdie Landesmünzen, dagegen 91,6 Proz. auf die Vereinsmünzen.
Wenn auch diese aus der unentrinnbaren wirtschaftlichen Not-wendigkeit hervorgehende Entwicklung eine allmählich immer weiterfortschreitende Annäherung an das Ziel der völligen Gemeinschaft derdeutschen Umlaufsmittel in Aussicht stellte, so lag darin doch immerhinnur ein geringer Trost für diejenigen, welche im täglichen Verkehrdie Mifsstände der Münzzersplitterung empfanden. Der Wiener Vertragwar nur halbe Arbeit, und gerade deshalb regte er ganz besonders dasVerlangen an, dafs in der Frage der deutschen Münzeinigung ganzeArbeit gethan werden möge.
Zu der Forderung der Münzeinigung traten vom Ausgang der50 er Jahre an mit wachsender Stärke die Bestrebungen auf Einführungder Goldwährung. Die münztechnischen Vorzüge der Goldwährunghatten bereits in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts einen kenntnis-reichen und eifrigen Vertrete]' in dem verdienstvollen NationalökonomenJ. G. Hoffmann. 1 ) Aber damals hatten solche Erörterungen in An-betracht der oben geschilderten Verhältnisse der Edelmetall Produktionlediglich theoretische Bedeutung; für einen münztechnisch noch so gerecht-fertigten Übergang zur Goldwährung fehlte das Wesentlichste, das Gold.Erst der gänzliche Umschwung der Edelmetallproduktion von 1848 anhat einerseits die Bahn zur Goldwährung freigemacht, während ander-seits die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung eine solche Währungs-änderung immer mehr als eine Notwendigkeit erscheinen liefs. Die
1) Von seinen Arbeiten kommen hier insbesondere in Betracht: „Drei Aufsätzeüber das Münzwesen". Berlin 1832; „Die Lehre vom Gelde als Anleitung zu gründ-lichen Urteilen über das Geldwesen". Berlin 1838; „Zeichen der Zeit im deutschenMünzwesen, als Zugabe zu der Lehre vom Gelde". Berlin 1841.