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der Niederlande anerkannte Voraussetzung für einen internationalenMünzbund, nämlich den Übergang zur gesetzlichen Goldwährung, zuverwirklichen. Dazu kam schliefslich der deutsch -französische Krieg; an-gesichts des blutigen Ringens zweier mächtiger Kulturvölker mufste dieIdee einer internationalen Münzverbrüderung verblassen. Man begannVorteile und Nachteile einer Münzgleichheit mit dem Auslande praktischabzuwägen und kam zu dem Schlufs, dafs die wichtigsten Vorteiledurch die auf dem Boden der Goldwährung zu erstrebende Währungs-gleichheit erreicht werden könnten, während eine Gleichheit des Münz-systems und infolgedessen eine Gemeinschaft des Münzumlaufs fürDeutschland nicht nur eine lästige Umrechnung aus dem bisherigenGelde nötig gemacht hätte, sondern auch in andern Beziehungen zugrofsen Bedenken Anlafs gab. Namentlich die in jener Zeit in dieÖffentlichkeit gedrungenen Mitteilungen über die Ungenauigkeit derfranzösischen Ausmünzungen und das Fehlen von Vorschriften überdie Erhaltung der Vollwichtigkeit der französischen Münzen liefsenes nicht wünschenswert erscheinen, mit Frankreich in eine völligeMünzgemeinschaft zu treten.
Ohnedies war die Aufgabe der Münzeinigung und des gleichzeitigenÜbergangs zur Goldwährung grofs genug, und alles sprach dagegen,sich die Lösung durch das Streben nach einer schon durch das Ver-halten Englands und Amerikas aussichtslosen internationalen Miinz-einigung noch mehr zu erschweren.
§ 3. Die Bedeutung des französischen Kriegs und der Reichsgründung
für die Münzfrage.
Die staatsrechtlichen Voraussetzungen für eine ganz Deutschland umfassende Münzreform wurden erst durch die Gründung des Reichsgeschaffen. Zwar hatte bereits die Verfassung des NorddeutschenBundes die Ordnung des Münz -, Papiergeld- und Bankwesens der Gesetz-gebung des Bundes unterstellt; aber solange Süddeutschland noch aufser-lialb der Bundesgemeinschaft stand, konnte nur auf dem schwerfälligenWege von Verträgen mit den einzelnen süddeutschen Staaten eine ein-heitliche Reform durchgeführt werden. Gleichwohl beschlofs derBundesrat im Frühjahr 1870 eine Enquete über die bei der Münzfragein Betracht kommenden Verhältnisse zu veranstalten, und das Zoll-parlament fafste eine Resolution, welche die verbündeten Regierungenersuchte, die Münzreform als eine gemeinsame Angelegenheit des Zoll-vereins zu behandeln und deshalb die geplante Enquete auch auf Süd-deutschland zu erstrecken.
Die Regierung des Norddeutschen Bundes war geneigt, diesenWunsch zu erfüllen, aber die Resolution wurde überholt durch dieallgemeine politische Entwicklung. Die Fragebogen für die Enquete