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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
154
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154 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.

waren ausgearbeitet und lagen zur Versendung bereit, als der Krieg mitFrankreich ausbrach, dessen Folgen die Bedingungen für eine deutsche Geldreform gänzlich veränderten.

Vor dem Kriege stand Frankreich , wie oben dargestellt wurde, am Endelanger und eingehender Erhebungen über die Währungsfrage, die ganzentschieden zu Gunsten der Goldwährung ausgefallen waren. Die Ein-führung der Goldwährung bot damals in Frankreich keinerlei Schwierig-keiten. Da Frankreich ganz überwiegend Goldgeld und nur wenigSilbergeld im Umlauf hatte, bedurfte es nur eines Gesetzes, welchesdie freie Silberprägung aufhob und die Zahlungskraft der silbernenFünffrankenstücke beschränkte. In Deutschland dagegen genügte zurEinführung der Goldwährung nicht ein blofses Gesetz, sondern dervorhandene Silberumlauf, der den Betrag von 1 '/a Milliarden Marküberstieg, mufste zum gröfsten Teile beseitigt und durch einen Gold-umlauf ersetzt werden. Durch die Schliefsung der französischen Münz-stätten für das Silber mufste dieses Metall nach der allgemeinen An-nahme eine gewisse Entwertung erfahren; und je stärker das Silbergegenüber dem Golde im Werte zurückging, desto schwieriger undkostspieliger mufste für Deutschland die Umwandlung seines Silber-umlaufs in einen Goldumlauf werden.

Der Ausgang des Krieges kehrte die Lage um.

Frankreich wurde durch die Folgen des Krieges daran gehindert,in der Währungsfrage den so eingehend vorbereiteten entscheidendenSchritt zu thun. Infolge des Kriegs hatte die Bank von Frankreich die Einlösung ihrer Noten einstellen müssen; wenn die französischeRegierung auf die möglichst rasche Wiederaufnahme der Barzahlungenhinarbeiten wollte, dann durfte sie sich die Mittel dazu nicht durchdie Einstellung der Silberprägungen beschränken. Einen ähnlichenZwang übte die Kriegskostenentschädigung aus. Da Frankreich zurZahlung der Kontribution auch silberne Fünffrankenstücke verwendendurfte, erleichterte es sich die Abtragung, wenn es möglichst viel Silberzur Ausprägung annahm. An eine Aufhebung der Silberprägung undeinen Übergang zur Goldwährung war also für Frankreich vorläufignicht mehr zu denken.

Umgekehrt wirkte der Ausgang des Krieges für Deutschland .

Die Gründung des Reichs beseitigte das letzte staatsrechtlicheHindernis, das bisher die Münzreform erschwert und verzögert hatte.Die Kriegsentschädigung löste die Frage, woher Deutschland das zurGoldwährung nötige Gold nehmen sollte; die fünf Milliarden brachten,soweit sie nicht in effektivem Golde, sondern in Wechseln, Bankan-weisungen u. s. w. eingingen, hinreichend Mittel. um Gold zu Präge-zwecken auf ausländischen Märkten anzukaufen.

Die ungewöhnliche Gunst des Augenblicks wurde in Deutschland