5. Kapitel. Die deutsche Milnzreform. § 6.
169
Es ist deshalb begreiflich, dafs die Reichsregierung nur zögerndmit den Silberverkäufen vorging.
Wäre die französische Milliardenzahluug nicht dazwischen ge-kommen, dann hätte die Regierung die Mittel zur Goldbeschaffung imwesentlichen aus den Erlösen der Silberverkäufe beschaffen müssen;so aber konnte sie die Goldbeschaffung und -Ausprägung unabhängig vonden Silberverkaufen betreiben, und von dieser Möglichkeit wurde imgröfsten Umfange Gebrauch gemacht. Nicht nur das effektiv eingehendeGold wurde in Reichsgoldmünzen umgeprägt, auch die übrigen Ein-gänge der Kontribution, Wechsel, Bankanweisungen u. s. w. wurden zueinem grofsen Teil zum Ankauf von Gold auf dem Londoner Marktebenutzt. Erst von 1875 an wurden die Goldankäufe ausschliefslichaus den Mitteln bewirkt, die der Reichsregierung aus ihren Silberver-käufen in London zuflössen.
Wie grofs die damals vor sich gehende Verschiebung im inter-nationalen Goldumlaufe war, geht aus folgenden Zahlen hervor:
Das Reich hat aus der Kontribution fremde Goldmünzen im Be-trage von 220 Mill . Mark unmittelbar erhalten. Es hat ferner teilweiseaus den übrigen Eingängen der Kontribution, teilweise aus den Erlösender Silberverkäufe von 1871 bis 1879 für etwa 1260 Mill. Mark Goldbeschafft. In Summa hat es also in diesen neun Jahren für 1480 Mill.Mark Gold vom Auslande erhalten. Dazu kam von 1875 an eine nichtunbeträchtliche private Goldeinfuhr. Bis zum Schlufs des Jahres 1879waren Reichsgoldmünzen im Betrage von 1719 Mill. Mark ausgeprägt,davon etwa BO'/s Mill. Mark aus den eingezogenen deutschen Landes-goldmünzen. Auf die einzelnen Jahre verteilte sich die Goldbeschaffungdes Reichs und die Goldausmimzung folgendermäfsen:
Goldbeschaifung
Ausprägung von
Jahre
des Reichs
Beichsgoldmünzen
Mark
Mark
1871 und 1872
523 976 336 »)
421 474 130
1873
516 335 963 ')
594 362 890
1874
318 219
93 507 380
1875
100 974 011
166 420 850
1876
53 655 681
159 424 280
1877
166 086 223
112 539 475
1878
91 953 155
125 130 790
1879
27 314 325
46 387 060
1480 613 913
1719 246 855
1) Ausschliefslich der eingezognen Landesgoldmünzen, aber einschliefslich der aufdie französische Kontribution eingezahlten fremden Goldmünzen.
Auch die Verteilung des den deutschen Münzstätten überliefertenPrägegoldes auf Goldbarren und die einzelnen Münzsorten ist nichtohne Interesse. Im ganzen wurde den Münzstätten von 1871 bis 1879eine Goldmenge von 1 172 731 Pfund fein überwiesen. Darunter waren