6. Kapitel. Die Ausbreitung' der Goldwährung- und die Silberentwertung'. § 2. 183
die illegitimen Interessen derjenigen, welche aus einer GeldentwertungVorteil zu ziehen hofften, und denen deshalb das Silber gerade wegenseiner Entwertung das Ideal eines Geldstoffes war (so den amerika-nischen „Inflationisten"), und aufserdem der uninteressierte Glaubens-eifer der theoretischen Anhänger des bimetallistischen Systems.
In Anbetracht dieser Verhältnisse ist es erklärlich, dafs lebhafteBestrebungen zur Wiederherstellung des Silberwertes hervortraten. Esentstand die bimetallistische Agitation, deren Ziel die „Rehabilitierungdes Silbers" war: Die Münzstätten der Kulturwelt sollten dem Silber,um seinen Wert wieder auf den alten Stand zu bringen, von neuem ohnejede Beschränkung, ebenso wie dem Golde, geöffnet werden; das Silbersollte als Geldmetall wieder in seine Gleichberechtigung mit dem Goldeeingesetzt werden.
Dort, wo stets die materiellen Interessen sich am brutalsten geltendgemacht haben, und wo gleichzeitig die Interessen am Silberbergbauden gröfsten Umfang hatten, in den Vereinigten Staaten , kam es amfrühesten zu einer starken Bewegung zu Gunsten des Silbers; dortallein hat die Silberpartei grofse positive Erfolge erzielt, und von dortaus ist stets wieder bis in die neueste Zeit der Anstois für eine inter-nationale bimetallistische Agitation ausgegangen.
Ihr eigentliches Ziel, die Wiederherstellung der freien und unbe-schränkten Silberprägung, hat allerdings die silberfreundliche Bewegungnirgends erreicht. Abgesehen von der radikalen Silberpartei in den Ver-einigten Staaten , deren Einflufs sich niemals voll durchsetzen konnte, galtes überall als ausgemacht, dafs die Wiederaufnahme der freien Silber-prägung auf Grund eines Doppelwährungssystems nur dann Erfolghaben könne, wenn sie gemäfs einer internationalen Vereinbarung vonden wichtigsten Kulturstaaten gleichzeitig durchgeführt werde. Aberalle Versuche, ein solches internationales Übereinkommen herbeizuführen,sind gescheitert.
Im August 1878 trat auf Einladung der Vereinigten Staaten eineinternationale Münzkonferenz zusammen „zum Zweck einer internatio-nalen Vereinbarung über ein bimetallistisches Geldsystem und Sicher-stellung eines festen Wertverhältnisses zwischen Gold und Silber".Deutschland hatte die Beschickung der Konferenz abgelehnt, England hatte die Einladung erst nach einigem Zögern angenommen. Es zeigtesich alsbald, dafs eine Einigung über eine internationale Doppelwährungnicht zu erzielen war, und alles, was schliefslich zu stände kam, wareine gänzlich nichtssagende Resolution des Inhalts, dafs die Münz-aufgabe des Silbers ebensogut wie diejenige des Goldes aufrecht er-halten werden müsse; dafs aber die Wahl des einen oder des andernder beiden Edelmetalle oder der gleichzeitige Gebrauch beider nachder besonderen Lage jedes Staates geschehen müsse.