Druckschrift 
Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
187
Einzelbild herunterladen
 

6. Kapitel. Die Ausbreitung der Goldwährung und die Silberentwertung'. § 3. 187

geradezu rapide Fortschritte; der durchschnittliche Silberpreis desJahres 1889 war nur noch 42 u /i6 d, der niedrigste Silberpreis in diesemJahre war 42 d. Die gewaltige Steigerung der amerikanischen Silber-ankäufe durch die Sherman-Bill bewirkte, dafs im August 1890 derSilberpreis bis auf 54 5 /s d in die Höhe schnellte. Aber diese speku-lative Preissteigerung brach rasch wieder zusammen; bereits im No-vember 1890 sank der Preis wieder auf 47 J /s d; im Jahre 1891 wurdeder niedrigste Silberpreis mit 43 1 /2 d, im Jahre 1892 mit 37 7 /s d notiert,und in der ersten Hälfte des Jahres 1893 machte der Preisrückgangnoch weitere Fortschritte. Der Preis stand beträchtlich tiefer als' vordem Erlafs des Sherman-Bill , und seit dem Jahre 1879 hatte dieSilberentwertung, obwohl die internationale Währungsverfassung injener Zeit keine wesentliche Änderung erfahren hatte, sich um etwa25 Proz. verschärft.

§ 3. Die neueste währungspolitische Entwicklung.

Der unaufhaltsam erscheinende Rückgang des Silberpreises hatschliefslich, in Verbindung mit einer neuerlichen Steigerung der Gold-produktion im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, eine zweite Reihevon währungspolitischen Mafsregeln hervorgerufen, die sich als die Fort-setzung der in den 70 er Jahren eingetretenen Umwälzung darstellen.

Je stärker die Silberentwertung Avurde, desto mehr verringertensich die Aussichten auf die angestrebte Rehabilitation des Silbers, destofester wurde in der ganzen Welt die Überzeugung, dafs das Silberseine Rolle als ein mit dem Golde gleichberechtigtes Geldmetall gänz-lich ausgespielt habe und dafs die Währungsgleichheit mit den wich-tigsten Handelsvölkern nur auf der Grundlage des Goldes zu erreichensei. Der letztere Gesichtspunkt hat selbst asiatische Staaten, wieIndien und Japan , für welche vom Gesichtspunkte des inneren Verkehrsaus das Silber in weit gröfserem Umfange verwendbar ist als das Gold,in ihrer Währungspolitik ausschlaggebend beeinflufst.

Die schon seit der Mitte der SO er Jahre wieder in der Zunahmebegriffene Goldproduktion hat von 1890 an einen Umfang angenommen,der alles bisher Dagewesene, selbst die kalifornische und australischePeriode, weit hinter sich läfst. Von 415 Mill. Mark im Jahre 1883stieg die Goldgewinnung auf etwa 500 Mill. Mark im Jahre 1890; imJahre 1895 betrug sie bereits 834 Mill. Mark, und im Jahre 1899hat sie den Betrag von 1287 Mill. Mark im Gewicht von etwa461000 kg erreicht. In den 10 Jahren 1851 bis 1860 betrug die durch-schnittliche Jahresproduktion von Gold etwa 560 Mill. Mark im Gewichtvon 200 000 kg; der Wert der durchschnittlichen Jahresproduktionvon Gold und Silber zusammen belief sich damals auf etwa 720 Mill.Mark. Die heutige Goldproduktion ist also beträchtlich mehr als